12-Jährige bringt ihren Vergewaltiger hinter Gitter

08.10.2010 | 14:29
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Eigenen Missbrauch gefilmt

Der Vergewaltiger Georgios A. muss für neun Jahre ins Gefängnis. Damit ahndeten die Richter am Kölner Landgericht die 17-malige Vergewaltigung der neunjährigen Stieftochter. Die Staatsanwaltschaft hatte für den 70-jährigen Griechen eine Freiheitsstrafe von zwölf Jahren gefordert. Georgios A. hatte die Taten stets bestritten und dem Kind, das stark traumatisiert in einem Heim lebt, damit eine Aussage vor Gericht zugemutet. Möglicherweise hätte ihm das Mädchen ein Medikament ins Getränk getan, sagte der Mann vor Gericht.

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Der Fall hatte besonderes Aufsehen erregt, weil das Mädchen die Gewalttaten mit einer Videokamera filmte und einer Lehrerin zeigte. "Ich war ziemlich baff und habe es erst nicht geglaubt", erklärte die Vertrauenslehrerin dem 'Kölner Stadtanzeiger'. Sie wandte sich umgehend an die Polizei und erstattete Anzeige gegen den Mann.

Patenonkel forderte einen Beweis

Georgios A. hatte seine Stieftochter über drei Jahre hinweg vergewaltigt. Parierte sie nicht, schüchterte sie der Mann massiv ein. "Ohrfeigen, Drohungen, die Familie zu verlassen, den Mund zuhalten und das Kind an die Wand pressen, das sind die Handlungen, die in der Anklageschrift aufgelistet sind", berichtet Gerichtssprecher Dirk Eßer.

Um auf ihr schlimmes Schicksal aufmerksam zu machen, wandte sich das Mädchen im Herbst 2009 an den Patenonkel, der regelmäßig bei den Hausaufgaben half. Laut 'Kölner Stadtanzeiger' schrieb sie ihre Hilfeschreie auf kleine Zettel nieder, die sie in ihren Schulbüchern versteckte. "Ich kann so nicht weiterleben" und "Hilf mir doch endlich, ich habe große Probleme", stand darauf. "Ich habe es nie geglaubt, weil der Mann schon so alt und so gut zu seiner Familie ist", schilderte der Onkel. Er forderte Beweise von dem Kind.

Die 34-jährige Mutter gab an, die Vergewaltigungen nicht mitbekommen zu haben. Nach Bekanntwerden der Taten hatte sie sich mit drei Kindern nach Griechenland abgesetzt und ihre Tochter in Köln zurückgelassen. "Ich habe mich so geschämt und Panik gehabt", gab die Frau vor Gericht an. Weiterhin erzählte sie, dass Georgios A. alle Kinder auf das Übelste beschimpft und geschlagen habe. Sie selbst sei psychisch krank und hätte sich nicht wehren können. Ihr Mann hätte sie dazu gezwungen haben, Medikamente einzunehmen, die sie dann "betäubt“ hätten.

Auch die Lehrer an der Schule konnten dem Mädchen zunächst nicht helfen. Immerhin forderten sie die Eltern zu einem Gespräch auf, weil das Kind oft über Ohnmacht, Kopfschmerzen und Übelkeit klagte. Erst als sie den Eltern mit dem Jugendamt drohten, wäre es zu einer Unterhaltung gekommen, einen möglichen Missbrauch hatten die Pädagogen jedoch nicht angesprochen.

Bildquelle: deutsche presse agentur