1,5 Millionen Deutsche sind medikamentensüchtig

Jeder 5. Fitnessstudio-Besucher nimmt illegale Präparate

Mehr als 1,5 Millionen Menschen in Deutschland sind abhängig von Medikamenten. Am Arbeitsplatz oder auch im Studium greifen sie zu illegalen Pillen, um leistungsfähriger zu werden. Auch unter den Hobbysportlern ist die Dunkelziffer derer, die sich mit Medikamenten dopen, viel höher als bisher angenommen. Das teilte der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) in Berlin mit.

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DOSB-Chef Thomas Bach
DOSB-Chef Thomas Bach sagt dem Medikamentenmissbrauch den Kampf an. © dpa, A3518 Miguel Villagran

Angesichts der erschreckenden Zahlen forderte der DOSB ein Durchgreifen der Bundesregierung. DOSB-Chef Thomas Bach bezeichnete den Missbrauch von pharmazeutischen Mitteln als Pendant zum Doping im Spitzensport. Zusammen mit dem ADAC diskutierte Bach über Strategien gegen den Medikamentenmissbrauch.

Es besteht offenbar Handlungsbedarf: Bei Volksläufen oder Marathons nehmen laut offiziellen Angaben knapp die Hälfte der Teilnehmer Schmerzmittel zur Leistungssteigerung. Während es im Breitensport unter den Hobbyläufern vor allem um den Konsum von Nahrungsergänzung- und Schmerzmitteln gehe, stelle sich die Situation in Fitness-Studios noch dramatischer dar, sagte Mischa Kläber, Sportwissenschaftler der TU Darmstadt.

Politik soll sich kümmern

Laut einer aktuellen Studie nimmt fast jeder fünfte Besucher eines Fitness-Studios illegale Präparate zu sich. Bei den Männern sind es sogar 25 Prozent. Dabei machen sich Ärzte oft zu Komplizen. In einer Umfrage bei sogenannten 'Doping-Usern' gaben 30 Prozent der Befragten an, die Medikamente unter ärztlicher Aufsicht zu nehmen. Die Mediziner seien damit "Steigbügelhalter", so Kläber.

Bei dem Treffen wurde Kritik an der Bundesregierung laut, weil diese trotz Einladung letzlich abgesagt hatte. Politiker, "aber auch Arbeitgeber und Gewerkschaften sind aufgefordert, das Problem zu erkennen und ihren Teil zur Lösung beizutragen", hieß es in einer gemeinsamen Erklärung der Organisationen.