15,5 Millionen Dollar Entschädigung für 'vergessenen' Gefangenen

Vergessener Gefangener Stephen Slevin Entschädigung
Stephen Slevin vor und nach seiner 22-monatigen Haft. © picture alliance / ASSOCIATED PR, Anonymous

"Seine geistige Gesundheit hat schwer gelitten"

Stephen Slevin saß 22 Monate lang im Gefängnis, obwohl er nie einem Richter vorgeführt oder gar für ein Verbrechen verurteilt worden war. Für seine Leidenszeit bekommt der heute 58-Jährige laut Medienberichten nun eine der höchsten Entschädigungen, die je ein misshandelter Häftling in den USA erhalten hat: 15,5 Millionen Dollar.

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Slevin war wegen Trunkenheit am Steuer in Haft gekommen – und er war psychisch krank. Doch statt ihn behandeln zu lassen, sperrten ihn die Wärter in eine Isolationszelle, fast zwei Jahre lang. "Seine geistige Gesundheit hat schwer gelitten während der Zeit im Gefängnis", sagte Slevins Anwalt Matt Coyte dem TV-Sender NBC. "Das bleibt so. Kein Geld der Welt wird ihm zurückgeben, was sie ihm genommen haben."

"Als er in den Knast gesteckt wurde, dachten die Wärter, er sei selbstmordgefährdet", erklärte Coyte. "Sie steckten ihn für drei Tage in eine Gummizelle. Aber sie ließen ihn nie behandeln." Dabei habe der an Depressionen leidende Mann schon am ersten Tag im Gefängnis um eine Behandlung gebeten.

Auf die Gummi- folgten fast zwei Jahre Einzelzelle. So werde im Dona-Ana-County-Gefängnis mit psychisch kranken Häftlingen umgegangen, sagte Coyte. Dort wurde der Mann dann einfach vergessen.

Nun Millionär, aber an Lungenkrebs erkrankt

Dies führte zu einer völligen Verwahrlosung, wie ein Foto dokumentiert. Sein Haar und sein Bart waren lang und zerzaust, die Haut bleich, die Wangen eingefallen. Nach eigenen Angaben litt Slevin unter Pilzbefall der Haut, weil die Wärter ihn nicht duschen ließen. Er habe sich sogar selbst einen Zahn gezogen, da ihn kein Zahnarzt behandelte. Zudem nahm Slevin über als 20 Kilo ab und hatte wundgelegene Stellen.

„Ohne dieses Fotos hätten wir es nie bis hierhin geschafft“, sagte sein Anwalt nach dem Urteil. Zunächst hatte sein Mandant sogar 22 Millionen Dollar Entschädigung zugesprochen bekommen. Doch das Gefängnis ging gegen das Urteil vor. Ein Gericht in New Mexico legt jetzt in einem Schlichtungsverfahren die Entschädigung auf 15,5 Millionen fest. Für die Mitarbeiter des Gefängnisses hat das Urteil keine Folgen. Die Behandlung von psychisch kranken Häftlingen sei verbessert worden, hieß es lediglich.

Stephen Slevin wird möglicherweise nicht viel von seinen Millionen haben: Der 58-Jährige hat Lungenkrebs. Immerhin, so sein Rechtsanwalt, könne er es sich jetzt leisten, dagegen behandelt zu werden.


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