18 Jahre eingesperrt: Jaycee spricht über ihr Martyrium

"Er hat nicht alles von mir bekommen"

Es ist ein unglaublich bewegendes Interview. Jaycee Lee Dugard aus Kalifornien wurde unfassbare 18 Jahre lang als Sexsklavin gehalten, musste in einem Bretterverschlag hausen und brachte zwei Kinder von ihrem Peiniger zur Welt. Jetzt - zwei Jahre nach ihrer Befreiung - hat die inzwischen 31-Jährige die Kraft über diesen Albtraum zu sprechen.

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Jaycee Lee Dugard im Interview beim US-Sender ABC
Schwieriges Interview: Im US-Fernsehen sprach Entführungsopfer Jaycee Lee Dugard über ihre 18 Jahre als Sex-Sklavin. © WENN.com, NC1/NYG

Anfangs wurden Jaycee nicht mal die Handschellen abgenommen. "Ich habe versucht nicht zu weinen", so die US-Amerikanerin. "Denn ich hätte meine Tränen nicht wegwischen können und dann fangen sie an zu jucken."

Sie und ihre Mutter versuchen mit dem unfassbaren Schicksal zu leben - jeden Tag neu. Der Hass der Mutter auf den Entführer und Vergewaltiger ist unendlich groß: "Er hat mir ein Stück aus meinem Herzen gerissen", sagte sie im Interview dem US-Sender 'ABC' und wendet sich zu ihrer Tochter: "Er hat deine Kindheit gestohlen, deine Teenagerzeit, Highschoolpartys, Bilder, Erinnerungen,…" - Jaycee fällt ihr ins Wort: "Aber er hat nicht alles von mir bekommen!"

Jaycees Leben änderte sich für immer am 10. Juni 1991. Auf dem Weg zur Schule zerrte Phillip Garrido gemeinsam mit seiner Frau Nancy die Elfjährige in sein Auto und betäubte das Mädchen mit einem Elektroschocker. Die damals 11-Jährige weiß noch, wie sie im Auto zu sich kam. "Ich erinnere mich noch, dass sich mein Hals sehr trocken und kratzig anfühlte, als hätte ich geschrien", sagte sie. "Aber ich erinnere mich nicht, geschrien zu haben."

"Wir glauben, du bist schwanger"

Ihr Peiniger entkleidete sie und sperrte sie in einem Verschlag im Hinterhof seines Hauses ein. "Er hat eine schalldichte Tür zugemacht und die andere mit einem Schloss verriegelt. Ich kann es immer noch hören", so Jaycee.

Jaycee war in Handschellen, allein, eine Elfjährige, die keine Ahnung hatte, was mit ihr geschieht. "Die Toilette war ein Eimer - und ich hatte Handschellen an. Das war immer sehr schwierig."

Eine Woche lang saß das kleine Mädchen in dem Verschlag, dann kam Garrido mit einem Milchshake und sagte, die Dinge "ändern sich". "Jetzt?", fragte Jaycee - "Ja, jetzt!" An diesem Abend vergewaltigte Garradio sie zum ersten Mal. Unzählige Male folgten. Jaycee erklärte er, Dämonen hätten zu ihm gesprochen, gesagt, er solle sie holen. Sie solle ihm helfen, seine sexuellen Probleme zu lösen. "Er meinte ich würde damit andere beschützen", so Jaycee. "Dann müsste er nicht mehr rausgehen und das mit irgendjemand anderem machen."

34 Monate nach ihrer Entführung eröffneten die Garridos der inzwischen 13-jährigen Jaycee: "Wir glauben, du bist schwanger." Mit 14 wurde sie Mutter - der Vater ist ihr Vergewaltiger. Sie freute sich über das Baby. "Ich war nicht mehr allein", erklärt Jaycee heute. "Ich wusste, ich darf nie zulassen, dass ihr was passiert."

Drei Jahre später bekam Jaycee das zweite Kind von Garrido. Nie in all den Jahren versuchte sie zu fliehen. Ihr Entführer redete ihr ein, die Welt draußen sei gefährlich. 18 Jahre nach der Entführung fand die Polizei sie - durch Zufall. "Das Leben ist zu kurz über das nachzudenken, was man im Leben nicht hat", sagt Jaycee heute. Nach 18 Jahren Gefangenschaft will sie endlich leben.