2. Runde: Ägypter stimmen über Verfassung ab – Krawalle mit vielen Verletzten

22.12.2012 | 13:59
Ägypten Verfassung Mursi Abstimmung Vor den Wahllokalen in den ägyptischen Dörfern bilden sich lange Warteschlangen.

Dieses Mal sind die Dörfer dran

Unter hohen Sicherheitsvorkehrungen hat in Ägypten die zweite und letzte Runde der Volksabstimmung über eine neue Verfassung begonnen. An der Reihe ist dieses Mal die Bevölkerung auf dem Land. Es wird mit einer deutlichen Zustimmung gerechnet, denn in den Dörfern haben die Islamisten um Präsident Mohammed Mursi einen starken Rückhalt. Im Vorfeld gab es wieder heftige Krawalle.

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Der Streit um den von Muslimbrüdern und Salafisten erarbeiteten Entwurf hat Ägypten tief gespalten. Die regierenden Islamisten um Präsident Mursi haben die Menschen aufgefordert, für den Verfassungsentwurf zu stimmen. Die liberale Opposition ist dagegen. Sie sieht in dem Regelwerk den ersten Schritt in Richtung eines islamischen Gottesstaates.

In zehn der 27 ägyptischen Provinzen ist bereits abgestimmt worden. Nun sind die rund 25 Millionen Wähler in den restlichen Provinzen an der Reihe. Nach inoffiziellen Ergebnissen stimmten in der ersten Runde 56 Prozent für die Verfassung. Die Opposition beklagt allerdings, die Muslimbrüder hätten Wahlzettel gefälscht und Wähler bedrängt.

Chaotische Zustände und Wahlrechtsverstöße haben auch die letzte Runde des ägyptischen Verfassungsreferendums überschattet. Wähler seien auch diesmal wieder von Islamisten beeinflusst worden, berichteten Wahlbeobachter und ägyptische Medien.

Alexandria: Dutzende Verletzte bei Krawallen

Wegen des großen Andrangs bleiben die Wahllokale auch in der zweiten Runde der Abstimmung vier Stunden länger geöffnet. Statt um 19.00 Uhr Ortszeit (18.00 MEZ) sollen die Wahllokale in 17 Provinzen erst um 23.00 Uhr schließen.

Einen Tag vor der letzten Runde des Verfassungsreferendums gingen Islamisten und Oppositionelle wieder aufeinander los. Nach Informationen des Nachrichtensenders Al-Arabija wurden bei der Massenschlägerei in der Hafenstadt Alexandria 68 Menschen verletzt. Die Polizei versuchte, die Kontrahenten, die Steine und Brandbomben warfen, mit Tränengas auseinanderzutreiben. Augenzeugen berichteten, junge Männer hätten mehrere Busse angezündet, mit denen die Islamisten angereist waren.

Unterdessen hat der ägyptische Vizepräsident Mahmud Mekki Medienberichten zufolge seinen Rücktritt erklärt. Dem staatlichen Fernsehen zufolge sagte der Stellvertreter von Präsident Mohammed Mursi, eigentlich habe er sein Amt bereits im November niederlegen wollen. Er habe diesen Schritt aber wegen der Unruhen in seinem Land sowie wegen des Konflikts zwischen Israel und der Hamas verschoben.

Bildquelle: Reuters