22 Tote bei Terrorangriffen: Die Lage auf der Sinai-Halbinsel spitzt sich zu

06.08.2012 | 16:43
Anschlag, Grenze, Sinai, Ägypten, Israel Grenzposten an der Grenze zwischen Israel und Ägypten (Archivbild, dpa)

Schwerster Zwischenfall in der Grenzregion seit Jahrzehnten

Auf der Sinai-Halbinsel spitzt sich die Lage mehr und mehr zu. Für die Ägypter, vor allem aber auch für Israel wird es immer gefährlicher. Extremisten haben in Ägypten ein Blutbad angerichtet, um dann in Israel zuzuschlagen.

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Bei dem Terroranschlag – einem der schwersten der vergangenen Jahre in Ägypten - haben Unbekannte an einem Sinai-Kontrollposten an der Grenze zu Israel 16 Soldaten getötet. Danach wollten sie mit erbeuteten gepanzerten Fahrzeugen nach Israel vordringen, wo sechs Attentäter getötet wurden.

Von israelischer Seite vermutet man Beduinen und islamische Gotteskrieger aus verschiedenen Ländern hinter den Anschlägen, in Ägypten ist von einem ähnlichen Täterkreis oder auch von einer bislang unbekannten Gruppe aus dem Gazastreifen die Rede. Doch niemand hat sich zu den Taten bekannt.

Suche nach möglichen überlebenden Terroristen

Die ägyptische Armee leitete eine großangelegte Suchaktion nach möglichen überlebenden Terroristen ein. Der Grenzübergang Rafah zum Gazastreifen wurde geschlossen, Spezialeinheiten der Armee durchkämmten die Grenzregion. Ägyptens Präsident Mohammed Mursi versprach, er werde den Sinai wieder unter die Kontrolle Kairos bringen. Israels Verteidigungsminister Ehud Barak äußerte die Hoffnung, dass die Anschläge als Weckruf wirken, damit Ägypten das Chaos auf dem Sinai beende.

In der israelischen Grenzregion waren auch Dutzende Raketen und Mörsergranaten eingeschlagen - eine Reaktion von Extremisten im Gazastreifen auf die Tötung eines ihrer Mitglieder durch eine israelische Rakete. Ein direkter Zusammenhang mit den Anschlägen in Ägypten wurde nicht gesehen. Inzwischen hat sich die Lage in Israel wieder normalisiert.

Seit dem Sturz des ägyptischen Machthabers Husni Mubarak im Februar 2011 ist im Grenzgebiet es immer wieder zu blutigen Auseinandersetzungen mit islamischen Extremisten gekommen. Vor zwei Monaten hatten israelische Soldaten zwei schwer bewaffnete Männer erschossen, die nach Angaben des Militärs von Ägypten aus über die Grenze gekommen waren. Dabei war auch ein israelischer Arbeiter getötet worden. Vor einem Jahr hatten Terroristen, die vom Sinai gekommen waren, nördlich von Eilat acht Israelis umgebracht. Israel baut derzeit einen Sicherheitszaun zum Sinai, der Terroristen, Schmuggler und illegale Einwanderer abhalten soll. Der Zaun, der etwa 230 Kilometer lang werden soll, wird voraussichtlich Ende des Jahres vollendet.