220.000 Fledermäuse sterben an Deutschlands Windrädern

Fledermauspopulation droht dauerhaft geschädigt zu werden

"Die Energiewende wird weiter zügig und kontinuierlich Schritt für Schritt umgesetzt", schreibt das Bundesumweltministerium auf seiner Internetseite. Der Ausbau erneuerbarer Energien ist nicht nur für den Verbraucher teuer, die Fledermaus zahlt sogar mit ihrem Leben dafür.

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Fledermäuse zahlen für die Energiewende mit ihrem Leben.

Rund 220.000 Fledermäuse sterben nach Experteneinschätzung pro Jahr an Deutschlands Windenergieanlagen. Deshalb schlägt der Arbeitskreis Fledermausschutz Rheinland-Pfalz jetzt Alarm: "Die Zahl ist verheerend. Wenn sich am Ausbau der Windenergie nichts ändert, ist nicht auszuschließen, dass Fledermauspopulationen dauerhaft geschädigt werden", sagte die Biologin Cosima Lindemann.

Sie setzt sich für den Erhalt der fliegenden Nachtschwärmer ein und startete in Zusammenarbeit mit dem Naturschutzbund Deutschland (NABU) im November 2010 die Aktion 'Fledermäuse willkommen!'. Dabei sollen fledermausfreundliche Gebäude und Quartiere in Rheinland-Pfalz mit einer entsprechenden Plakette und einer Urkunde ausgezeichnet werden.

Die werden mehr denn je gebraucht. Forscher von der Universität Hannover fanden im Jahr 2011 an knapp 200 Windkraftanlagen in Deutschland verendete Tiere. "An einer einzigen Windkraftanlage verenden im Schnitt etwa zehn Fledermäuse pro Jahr", so Lindemann.

Notfalls müssen Windanlagen abgeschaltet werden

Windkraftanlagen bergen für Fledermäuse unterschiedliche Gefahren. Die Tiere können von den Rotorblättern erschlagen werden oder am sogenannten Barotrauma sterben. "Barotraumata sind Druckverletzungen. Sie entstehen durch Druckveränderungen im Rotorbereich." Dabei könnten Gefäße platzen, was oft zum Tode führe, erklärte Lindemann. Zudem werde vielen Tieren mit dem Ausbau neuer Windparks der natürliche Lebensraum genommen.

Ist eine Koexistenz aus Fledermaus und Windrad überhaupt möglich? "Logisch", sagte Jürgen Maaß, stellvertretender Pressesprecher beim Bundesumweltministerium (BMU). Mit geringfügigen Veränderungen bei den Betriebszeiten der Windräder an bestimmten Tagen im Jahr sei der Fledermaus schon sehr geholfen. Die Studie der Universität Hannover, die vom BMU durch Gelder gefördert wird, sei bisher nur theoretisch angelegt gewesen. "Jetzt werden die Zahlen erst in der Praxis überprüft", sagte Maaß 'RTLaktuell.de'.

Lindemann sieht das anders und fürchtet, dass mit dem Bau neuer Windanlagen gleich Fakten geschaffen werden. Deshalb fordert sie, Standorte für Windparks im Vorfeld besser auszuwählen. "Auch nachträglich sollten alle Standorte untersucht werden. Auf Flächen mit hohem Fledermausaufkommen sollte auf neue Anlagen komplett verzichtet werden."

Im Notfall müssten bestimmte Windkraftanlagen zeitweise abgeschaltet werden. Bevor man zu solch radikalen Maßnahmen greift, sollte zuvor erst einmal der Fledermaus-Bestand in der jeweiligen Region herausgefunden werden. In einem über zwei Jahre angelegten Gutachten musste das Bundesland Hessen beim Ausbau des Frankfurter Flughafens alle Fledermäuse in der betroffenen Region erfassen. Den Kosten in Höhe von drei Millionen Euro stand am Ende nur ein einziges Fledermausmännchen gegenüber – das offensichtlich "sexuell inaktiv" war.


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