50 Millionen Kilo Fleisch nicht deklariert: Neuer Pferdefleisch erreicht Deutschland

11.04.2013 | 14:47
pferdefleisch, skandal, lebensmittelskandal Applaus, Apllaus: Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner kann nicht darüber begeistert sein, dass erneut nicht deklariertes Fleisch auf deutschen Tellern landete.

Aigner: Praktisch alle Bundesländer tangiert

Schon wieder ein neuer Pferdefleisch-Skandal – in einer riesigen Dimension: 50 Millionen Kilo nicht-deklariertes Fleisch sind aus den Niederlanden in mehrere europäische Länder verkauft worden, darunter auch Deutschland, sagte die EU-Kommission. Sie rief die EU-Staaten auf, die verdächtigten Fleischprodukte vom Markt zu nehmen.

- Anzeige -

Es seien praktisch alle Bundesländer tangiert, sagte Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) im bayerischen Berchtesgaden. Aigner schloss nicht aus, dass falsch etikettiertes Fleisch auch in Deutschland bereits gegessen wurde. Der Verzehr solcher Produkte sei aber nicht gesundheitsgefährdend.

Wichtig sei jetzt, dass die restliche Ware aus dem Handel genommen wird. "Das ist Bestandteil der laufenden Ermittlungen", sagte Aigner. Auf die Frage, ob sich der Skandal noch ausweiten könnte, meinte die Ministerin: "Man kann nie etwas ausschließen." Die Kontrollmaßnahmen liefen aber. Aigner äußerte sich am Rande der Agrarministerkonferenz des Bundes und der Länder. Bei dem Treffen steht die Umsetzung der EU-Agrarreform im Mittelpunkt.

"Die niederländischen Behörden haben bestätigt, dass Pferdefleisch mit Rindfleisch vermischt wurde", so ein Sprecher von EU-Verbraucherschutz-Kommissar Tonio Borg. Die Niederlande hätten eine "umfassende betrügerische Kette" rund um eine niederländische Firma aufgedeckt. Den Namen des Betriebs nannte die EU-Kommission nicht. Woher das Fleisch ursprünglich stammte, sei noch ungeklärt.

Verbleib der Ware in Deutschland noch unklar

Der verdächtige Unternehmer will seinerseits gerichtliche Schritte gegen die Kontrollbehörde unternehmen. Die Maßnahme sei unbegreiflich, sagte sein Anwalt dem niederländischen Radio. "Das Fleisch kann man normal essen, und es wurde unter Aufsicht der Behörde verkauft."

Der Großhändler steht bereits seit Monaten unter Betrugsverdacht, so die niederländische Kontrollbehörde. Das niederländische Fernsehen berichtete, schon im Dezember hätten Mitarbeiter der Kontrollbehörde gemeldet, dass die betroffene Firma billiges Pferdefleisch mit Rind vermischte und als reines Rindfleisch verkaufte. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Großhändler seit Februar wegen des Verdachts auf Betrug,

Wahrscheinlich sei ein Teil des verdächtigen Fleisches auch bereits konsumiert worden, sagte der Sprecher der Aufsichtsbehörde in den Niederlanden. " Aber viel wurde auch in Tiefkühlmahlzeiten verarbeitet, und Frikadellen oder Hamburger sind sehr lange haltbar."

Die Kontrollbehörde forderte 500 Betriebe, darunter auch deutsche, auf, die Ware bei ihren Kunden aufzuspüren und aus dem Handel zu nehmen. Die Herkunft des Fleisches sei unklar, erklärte die Behörde. Daher könne auch die Sicherheit nicht garantiert werden. Zurzeit gebe es aber keine Hinweise auf Gefahren für Menschen.

Die deutschen Behörden sind alarmiert. In Deutschland nach bisherigen Erkenntnissen 124 Betriebe betroffen. Nach Angaben des Bundesverbraucherministeriums in Berlin wurden über das europäische Schnellwarnsystem 'RASFF' die Namen der 124 Betriebe ermittelt, die seit 2011 Ware von dem niederländischen Hersteller bezogen haben könnten. Betroffen seien Händler, weiterverarbeitende Betriebe sowie Metzgereien in allen Bundesländern bis auf Bremen und das Saarland.

Die niederländische Regierung hat schockiert auf den neuen Skandal reagiert. "Wir werden alles tun, um die Betrüger zu verfolgen", sagte die Staatssekretärin für Landwirtschaft, Sharon Dijksma. Verbraucherverbände und die Lebensmittelbranche verlangten eine schnelle Aufklärung. Das Vertrauen der Verbraucher sei beschädigt, erklärte ein Sprecher der Lebensmittelindustrie.

Der deutsche Einzelhandel forderte als Reaktion stärkere Lebensmittel-Kontrollen. "Die staatlichen Kontrollen müssen besser vernetzt werden", sagte der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Deutschland (HDE), Stefan Genth. Außerdem sollte die Zahl der staatlichen Lebensmittel-Kontrolleure erhöht werden.

Bildquelle: dpa bildfunk