70 Jahre Schlacht von Stalingrad: Russland gedenkt gefallenen Soldaten

Nachkommen deutscher Stalingradkämpfer angereist

70 Jahre nach der mörderischen Schlacht von Stalingrad hat das heutige Wolgograd an den Sieg über deutsche Truppen und die Hunderttausenden Opfer erinnert. Vor etwa 20.000 Zuschauern und zahlreichen Veteranen marschierten bei frostigem Wetter 650 Soldaten im Zentrum der südrussischen Millionenstadt auf.

- Anzeige -
Wolgograd, Stalingrad, Russland, Schlacht von Stalingrad
Rote Nelken liegen auf dem deutschen Soldatenfriedhof Rossoschka bei Wolgograd auf einem Granitwürfel. Auf den insgesamt 107 Granitwürfeln sind mehr als 100.000 Namen von Soldaten eingraviert, die während der Kämpfe um Stalingrad verschollen sind. © dpa, Uwe Zucchi

Zu Ehren des Jahrestages nannte sich Wolgograd für einen Tag offiziell wieder Stalingrad nach Sowjetdiktator Stalin. An der Militärparade nahm auch ein legendärer Weltkriegs-Panzer des sowjetischen Typs T-34 teil. Nachkommen deutscher Stalingradkämpfer, die als Zeichen der Versöhnung anreisten, zeigten sich tief bewegt. "Als ich im Museum das Panorama dieser grausamen Schlacht sah, musste ich weinen", sagte Rolf Weber aus Frankfurt am Main.

Delegationen aus Dutzenden Ländern legten Kränze und Blumen an der Ewigen Flamme im Stadtzentrum nieder. Für Deutschland nahm Botschafter Ulrich Brandenburg teil. Die Reste der deutschen 6. Armee hatten am 2. Februar 1943 in Stalingrad vor den sowjetischen Truppen kapituliert. Der Sieg der Roten Armee gilt als ein Wendepunkt im Zweiten Weltkrieg. Die monatelange Schlacht und Temperaturen bis zu minus 43 Grad kosteten mindestens 700.000 Soldaten das Leben.

Keiner der getöteten deutschen Soldaten ist vergessen

"Wir verteidigen unser Land, indem wir uns an die große Schlacht von Stalingrad erinnern", rief Vizeregierungschef Dmitri Rogosin bei der Militärparade. "Ehre sei Stalingrad, Ehre den Veteranen!" Busse mit dem Konterfei Stalins brachten zahlreiche Kriegsteilnehmer in ordenbehangenen Uniformen in die Wolgastadt. Menschenrechtler und Historiker kritisieren in Russland eine zunehmende Verharmlosung der Zeit schwerer Repression unter Josef Stalin (1879-1953). Vielerorts hingen riesige Transparente mit Parolen wie "Von Stalingrad aus zum Endsieg". Jugendliche mit rot-weißen Pelzmützen und der Aufschrift "70" standen als Helfer bereit.

Kremlchef Wladimir Putin hat den Sieg der sowjetischen Truppen in der Schlacht von Stalingrad vor 70 Jahren als eines der weltweit größten Beispiele von Heldentum gepriesen. "Wir sind stolz, Russland ist stolz auf die Verteidiger von Stalingrad", sagte der russische Präsident im heutigen Wolgograd. "Der Mut und das Heldentum der Verteidiger sind beispiellos und einmalig." Zu Ehren der Hunderttausenden Opfer der blutigen Schlacht legte Putin gemeinsam mit Veteranen in der Gedenkhalle auf dem Mamajew-Hügel Blumen an der Ewigen Flamme nieder.

"Stalingrad wird für immer ein Symbol der Einheit und der Unbesiegbarkeit unseres Landes sein, ein Symbol des wahren Patriotismus, ein Symbol des größten Sieges der sowjetischen Soldaten", sagte Putin. Historische Ereignisse wie die Schlacht von Stalingrad müssten genutzt werden, um künftigen Generationen die Vaterlandsliebe beizubringen.

Auf dem Soldatenfriedhof Rossoschka rund 40 Kilometer nordwestlich von Wolgograd legte der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge gemeinsam mit deutschen und russischen Gästen einen Kranz nieder. Dort sind etwa 56.000 deutsche Soldaten begraben, von weiteren mehr als 55 000 Wehrmacht-Toten sind nur die Namen eingraviert. "Niemand weiß, wo sie liegen. Aber ihre Namen sollen zeigen: Keiner ist vergessen", sagte Volksbund-Präsident Reinhard Führer bei der Zeremonie am Vorabend.