Abgeschnitten: Syrien ohne Internet und Telefon

Keine Verbindung nach außen

Die Verbindung nach außen ist komplett gekappt: Die Menschen im Bürgerkriegsland Syrien haben keinen Zugang mehr zum Internet. Auch die Telefone funktionierten nicht mehr, bestätigten Flüchtlinge, die in den letzten Stunden die Grenze überquerten, sowie Revolutionsaktivisten, die Satellitenverbindungen nutzen.

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Syrien, Russland, USA, Bürgerkrieg
Außenminister Kerry (USA, links) und Lawrow (Russland): Positionen liegen angeblich nah beieinander. © REUTERS, POOL

Sie glaubten nicht an ein technisches Problem, sondern vermuteten, die Regierung von Präsident Baschar al-Assad habe die Kommunikation absichtlich gestört. Auch die Internet-Präsenz der syrischen Staatsmedien war am Mittwoch unterbrochen.

Der Blackout des Internets wird auch von den Daten von Google und anderen Unternehmen bestätigt: "Wir haben das zweimal zuvor gesehen", sagte die für Meinungsfreiheit zuständige Google-Managerin Christine Chen: "Das ist in Syrien im November passiert und in Ägypten während des Arabischen Frühlings."

In der Vergangenheit seien derartige Ausfälle entweder von der Regierung angeordnet worden, die Zugang zu den entscheidenden Servern habe, oder es habe technische Probleme bei wichtigen Datenkabeln gegeben, sagte Dan Hubbard vom Infrastruktur-Dienstleister OpenDNS. Der Internet-Blackout sei aber auf Syrien beschränkt, die Nachbarländer seien nicht betroffen, sagte Jim Cowie von der US-Firma Renesys, die den weltweiten Internetverkehr aufzeichnet. Es gebe keine Anzeichen für einen technischen Defekt.

Syriens Armee eroberte Oppositionskreisen zufolge am Mittwoch eine strategisch wichtige Stadt an einer Hauptverbindungsstraße zwischen der jordanischen Grenze und der Hauptstadt Damaskus zurück. Die Kämpfer der Opposition hätten sich aus Chirbet Ghasaleh zurückgezogen, weil ihnen die Munition ausgegangen sei, sagte Rebellen-Kommandeur Abu Jacub.

USA und Russland wollen gemeinsam handeln

Derweil wollen Russland und die USA zur Beendigung des blutigen Bürgerkriegs an einem Strang ziehen. Man habe sich auf die Einberufung einer internationalen Konferenz verständigt, möglichst noch in diesem Monat, sagte der russische Außenminister Sergej Lawrow nach einem Treffen mit seinem US-Kollegen John Kerry in Moskau. Zu der Konferenz sollten alle an dem Konflikt beteiligten Gruppen aus Syrien kommen. Russland und die USA hätten sich ferner darauf verständigt, die syrische Regierung und alle Oppositionsgruppen zu ermutigen, eine politische Lösung zu finden, sagte Lawrow der Nachrichtenagentur Itar-Tass zufolge weiter.

Bisher vertraten Moskau und Washington im Syrien-Konflikt unterschiedliche Positionen. Während die russische Regierung im Regime des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad einen Verbündeten sieht, verlangen die USA dessen Sturz. Als UN-Vetomacht hat Russland auch Sanktionen gegen Damaskus im Weltsicherheitsrat blockiert. Ein Ziel des Moskau-Besuch Kerrys war es deshalb, Verhandlungsspielräume auszuloten.

Vor dem Treffen mit Lawrow war der US-Chefdiplomat im Kreml bereits mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin zusammengekommen. Die Positionen Washingtons und Moskaus lägen nah beieinander, sagte Kerry dabei.

Außenminister Guido Westerwelle (FDP) begrüßte den Vorstoß der USA und Russlands für eine internationale Syrien- Konferenzt. Der gemeinsame Vorschlag sei "ein starkes Signal an alle für ein Ende der Gewalt", erklärte er.


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