Abrechnung am Politischen Aschermittwoch: Feuer frei

13.02.2013 | 20:04
Abrechnung am Politischen Aschermittwoch: Feuer frei Politischer Aschermittwoch: Deftige Sprüche gehören dazu, ebenso das Bier und - zumindest bei der CSU - die Erinnerung an alte Zeiten und Franz Josef Strauß.

Mehr Zuschauer: SPD schlägt CSU

Auch wenn die CSU pünktlich zum politischen Aschermittwoch laut einer Umfrage in der Wählergunst der Bayern klar vor der SPD (46 Prozent zu 19 Prozent) liegt, reklamierten die Sozialdemokraten den Sieg im Zuschauer-Wettstreit am Politischen Aschermittwoch zunächst für sich.

- Anzeige -

Die SPD hatte für den erhofften symbolischen Erfolg eigens ein Bierzelt mit Bierbänken für 4.500 Besucher und einer maximalen Kapazität von 5.000 Menschen aufgebaut, um die CSU in Passau zu übertrumpfen. Da Bayern traditionell Hochburg der Aschermittwoch-Tradition ist, ließ es sich auch SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück nicht nehmen, nach Vilshofen zu kommen. Steinbrück kostete den vermeintlichen symbolischen Sieg aus und spottete in Richtung CSU: "Da sitzt eine kleine radikale Minderheit in Passau."

Aber im Wahljahr gönnt man dem Gegner nichts. CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt beanspruchte den Sieg im Zuschauer-Wettstreit für seine Partei. Trotz nur 4.000 zugelassener Zuschauer zählte er in der Dreiländerhalle in Passau fast doppelt so viele Anwesende: "Die Halle, man sieht es, ist rappelvoll. Jeder Sitzplatz, jeder Stehplatz ist besetzt. Und deswegen können wir sagen, dass wir auch mit 7.000 Besuchern heute die größte politische Veranstaltung in Bayern haben."

Die Aschermittwoch-Abrechnung drehte sich in erster Linie um den Wahlkampf in Bayern, wo in diesem Jahr am 15. September (eine Woche vor der Bundestagswahl) gewählt wird. Die Opposition widmete sich aber auch genüsslich der Sexismus-Debatte um das Verhalten von FDP-Spitzenkandidat Rainer Brüderle und die Rolle Seehofers als Störenfried in der schwarz-gelben Bundesregierung. Die Regierungsparteien nahmen Steinbrück dessen Inszenierung als Wirtschaftsfachmann und seine Rednerhonorare ins Visier.

Die besten Sprüche vom Politischen Aschermittwoch

Zum Thema Steinbrück:

Edmund Stoiber: "Als Finanzminister und Ministerpräsident hat Steinbrück in fünf Jahren mehr Schulden aufgehäuft als Bayern in seiner ganzen Nachkriegsgeschichte, und da traut sich der hierherzukommen und uns Ratschläge zu erteilen."

Dobrindt erläuterte die Bedeutung der Abkürzung SPD "Steinbrück plündert Deutschland aus".

Martin Zeil (FDP), bayerischer Wirtschaftsminister und Vize-Ministerpräsident: "Peer Steinbrück ist ein lebendiges Beispiel dafür, dass der Kapitalismus in der SPD noch ein Zuhause hat. (...) Wasser predigen, selbst aber Champagner saufen - das sind mir schöne Sozialdemokraten!"

Horst Seehofer: "Sein Lebensmotto ist offensichtlich: Jedem das Seine und mir das meiste." Mit Blick auf die umstrittenen Honorare für Steinbrück-Reden meinte der CSU-Chef: "Ich halte heute eine garantiert honorarfreie Rede."

Rainer Brüderle: "Wofür steht er? Man muss ihm nur ein Stichwort liefern. Geld, Kohle, Asche, Moneten: Schon ist der Steinbrück zu allem bereit! (...) Aber keine Sorge, lieber Peer: Die Wähler ersparen Dir das Armenhaus im Kanzleramt."

Zum Thema Sexismus und Rainer Brüderle:

Jürgen Trittin, Spitzenkandidat der Grünen für die Bundestagswahl: "Wir versuchen alle, vor allem nach Aschermittwoch, unseren inneren Schweinehund zu überwinden. Die FDP macht ihn zum Spitzenkandidaten."

Sahra Wagenknecht, stellvertretende Bundesvorsitzende der Linken, zur Sexismusdebatte: "Ich hatte wirklich vor, mich heute in ein Dirndl zu zwängen. Dann aber hat mich der Mut verlassen. Ich habe nämlich gehört, Rainer Brüderle soll heute hier in der Nähe sein."

Der bayerische FDP-Fraktionschef Thomas Hacker: "Ich lese den 'stern' nicht - mich erschrecken immer die nackten Frauen auf dem Titelbild."

Möglich, dass Zeil und Dobrindt die Sexismusdebatte weiter angeheizt haben: Zeil begrüßte Brüderle "im Land der Dirndl und Denker". Brüderle lasse sich seine natürliche Fröhlichkeit von niemandem nehmen, "und deshalb mögen wir Bayern solche Mannsbilder", sagte Zeil.

CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt sagte: "Lieber nachts um zwölf Rainer Brüderle an der Hotelbar als Claudia Roth zum Frühstück."

Zum Thema Bundesregierung:

Peer Steinbrück: "Schwarz-Gelb ist so beliebt wie Blinddarm-Entzündung und Wurzelbehandlung auf einmal."

Trittin zum Umgang Horst Seehofers mit dessen Parteifreunden: "Wenn crazy Horst auf friendly fire schaltet, dann ist der Kollateralschaden eingetreten."

Bildquelle: dpa bildfunk