Abstimmung über Unabhängigkeit: Was wird aus Schottland?

Fragen und Antworten zur möglichen schottischen Unabhängigkeit

Schottland steht vor der Wahl. Soll das kleine Land im Norden Großbritanniens als unabhängiger Staat weitermachen? Oder sollen die Schotten die mehr als 300 Jahre lange Kooperation mit England fortsetzen? 4,2 Millionen Menschen haben die Wahl - und müssen sich teils schwierige Fragen stellen. Es sieht nach einer knappen Entscheidung aus, die Gegner der Unabhängigkeit liegen in Umfragen knapp vorn. Das Ergebnis wird am frühen Freitag Morgen erwartet.

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Schottland: Folgen andere Länder?
Referendum in Schottland: Vorbild für andere europäische Autonomie-Bewegungen? © REUTERS, ALBERT GEA

Kann es Schottland überhaupt alleine?

Die Antwort der meisten Experten ist zumindest hinsichtlich der längerfristigen Perspektive ein klares Ja. Schottland ist mit fünf Millionen Einwohnern in etwa so groß wie Dänemark, Norwegen oder Finnland. Vor seinen Küsten lagern noch immer große Vorkommen an Erdöl und Erdgas, mit der Whisky-Industrie bringt ein weiterer Exportzweig Steuer-Milliarden in die Kasse. Schottland wäre eines der 20 wohlhabendsten Länder der Welt, sagt Ministerpräsident Alex Salmond. Schottland verfügt über gut ausgebildete Menschen und hoch angesehene Universitäten. Ein effizientes Verwaltungssystem aufzuziehen, gleichzeitig eine neue Armee zu formen und auch noch die Renten zu bezahlen dürfte aber in den ersten Jahren dennoch eine große Aufgabe werden.

Welche Währung würden die Schotten benutzen?

Die Frage nach der Währung ist einer der meistdiskutierten Punkte in der Unabhängigkeits-Debatte. Die Befürworter um Ministerpräsident Alex Salmond bestehen darauf, dass Schottland das britische Pfund weiternutzen würde. In London haben aber sowohl Regierung als auch Zentralbank klar gemacht, dass es keine Währungsunion geben werde. Schottland müsste das Pfund also ohne Einfluss auf die Geldpolitik nutzen. Da die Schotten als unabhängiger Staat erklärtermaßen auch in die EU wollen, stellt sich eine neue Frage: Geht das überhaupt, ohne den Euro einzuführen. Eine Ausnahme gilt derzeit für Großbritannien. Die EU-Verträge geben keine Antwort darauf, ob Schottland die Regelung übernehmen könnte.

Was passiert mit den britischen Atomwaffen?

Einer der Knackpunkte des Referendums aus Sicht des restlichen Großbritanniens. Die 160 britischen Atomsprengköpfe lagern auf U-Booten, die im schottischen Hafen Faslane stationiert sind. Das 'neue' Schottland will sie so schnell wie möglich loswerden. Die Suche nach einem neuen Hafen mit entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen würde Großbritannien ein Milliardenvermögen kosten. London steht dann vor der Alternative, seine nukleare Abschreckung abzuschaffen - mit enormen Konsequenzen für das europäische und weltweite Sicherheitsgefüge bis hin zum Weltsicherheitsrat. Oder aber einen neuen Hafen zu bauen. Spekuliert wird über einen Deal: Atomwaffen gegen die Währungsunion.

Kann sich Premierminister David Cameron im Falle eines 'Yes'-Votums halten?

Viele Kommentatoren sagen Nein. Er selbst schloss einen sofortigen Rücktritt nach dem Referendum aber aus. Politologen halten ihn auch nicht für sinnvoll, würde eine Regierungskrise doch für noch mehr Unsicherheiten etwa auf den Finanzmärkten sorgen. Hinter den Kulissen wird aber bereits über Nachfolger spekuliert. Unklar ist auch, wie das britische Unterhaus weiterarbeitet. Eigentlich ist für den Mai 2015 die nächste Parlamentswahl angesetzt. Sollte Schottland 2016 unabhängig werden, säßen aber 'ausländische' Abgeordnete im britischen Parlament. Eine klare Regelung steht aus.

Wie sähe der Fahrplan für die nächsten Monate aus?

Zwischen Edinburgh und London würden am ersten Tag nach der Abstimmung die Verhandlungen beginnen. Im März 2016 soll dann bereits formal die Unabhängigkeit erklärt werden. Ein Zeitplan, den die meisten Experten vor allem in London für zu optimistisch halten.

Was denkt das Ausland?

Die Nachbarn halten sich aus der britischen Debatte weitgehend heraus. Allerdings gilt als gesichert, dass kaum jemand in Europa Interesse an einem destabilisierten Großbritannien hat. Vor allem Länder wie Spanien, Italien oder Belgien, in denen es eigene Unabhängigkeitstendenzen einzelner Regionen gibt, schauen mit Argusaugen nach Edinburgh. Wie sähe ein schottischer Staat aus? Oberhaupt bliebe Queen Elizabeth II. - eine Abschaffung der Monarchie ist nicht in Sicht. Die bisherige Grenze zwischen England und Schottland, knapp 100 Kilometer lang, würde künftig zur Staatsgrenze werden - allerdings wohl ohne Schlagbäume, so wie es bereits zwischen Irland und dem britischen Nordirland praktiziert wird.