Abstimmungs-Farce: Facebook hört nicht mehr auf seine Nutzer

Facebook, Abstimmung, Mitsprache
Dislike: Die Facebook-Nutzer werden ihr Mitsprache-Recht bei Regel-Änderungen im weltgrößten Online-Netzwerk verlieren. © Thorpe/Splash News

Soziales Netzwerk schafft Abstimmungen ab

Seit 2009 konnten Facebook-Mitglieder über vorgeschlagene Regel-Änderungen abstimmen. Doch jetzt werden die Nutzer ihr Mitsprache-Recht im weltgrößten sozialen Netzwerk verlieren. Denn die Beteiligung an den Abstimmungen war für Facebook zu niedrig, so dass diese Einflussmöglichkeit jetzt abgeschafft werden kann. Stattdessen soll es zusätzliche Möglichkeiten geben, den Verantwortlichen für Datenschutz Fragen zu stellen.

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An einem Votum über Änderungen der Nutzungsregeln und das künftige Mitsprache-Recht beteiligten sich binnen einer Woche nur 668.872 Mitglieder. Das entsprach einem Anteil von weniger als 0,07 Prozent der Facebook-Nutzer. Damit das Ergebnis einer Abstimmung für das Netzwerk bindend ist, wäre eine Beteiligung von mindestens 30 Prozent erforderlich. Das wären aktuell rund 300 Millionen Mitglieder.

In der aktuellen Abstimmung sprach sich mit mehr als 589.000 Teilnehmern, fast 90 Prozent, gegen die vorgeschlagenen Regel-Änderungen aus. Das ist jetzt jedoch bedeutungslos. Facebook kann die neuen Regeln einfach in Kraft setzen.

Datenschützer: 30-Prozent-Hürde eine Farce

So lief es auch im Juni. An dieser Abstimmung hatten nur 0,04 Prozent der Nutzer – damals 180.000 von insgesamt 900 Millionen Mitgliedern – teilgenommen. Dabei hatte sich Facebook weitgehende Rechte zur Verwertung von Links, Fotos und privaten Nachrichten seiner User einräumen lassen.

Das Online-Netzwerk, das oft von Datenschützern kritisiert wird, hatte die Abstimmungen immer wieder als einzigartiges Beispiel für Demokratie im Verhältnis zwischen einem Unternehmen und seinen Kunden hervorgehoben. Das Verfahren war 2009 eingeführt worden, als Facebook noch rund 200 Millionen Nutzer hatte. Kritiker hielten Facebook vor, die Abstimmungen seien angesichts der unrealistisch hohen 30-Prozent-Hürde eine Farce gewesen. Facebook hatte diesmal zumindest jeden Nutzer per E-Mail auf die Möglichkeit zur Meinungsäußerung hingewiesen.


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