Afghanisches Mädchen (15) gefoltert

Sie wollte sich nicht prostituieren

Die afghanischen Behörden haben eine 15-Jährige aus der Gewalt ihrer Peiniger befreit, nachdem diese das Mädchen gefoltert und monatelang in eine Toilette gesperrt hatten. Das Mädchen hatte sich nach offiziellen Angaben geweigert, für die Familie ihres Ehemanns als Prostituierte zu arbeiten. Die Schwiegereltern hätten ihr Nägel und Haare herausgerissen und sie für etwa fünf Monate in ein Badezimmer in einem dunklen Keller gesperrt, teilte die Polizei mit. Das Kind habe kaum zu essen und zu trinken bekommen.

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Afghanisches Mädchen (15) gefoltert
Afghanische Behörden haben eine 15-Jährige aus der Gewalt ihrer Peiniger befreit. © dpa, S. Sabawoon

Nachbarn hätten es weinen und vor Schmerzen stöhnen gehört und daraufhin die Behörden informiert. Der Zustand des Mädchens sei kritisch gewesen, als es vergangen Woche aus dem Haus in der nördlichen Provinz Baghlan gerettet worden sei. Ihr Körper sei mit Narben und Blutergüssen übersät, ein Auge sei immer noch zugeschwollen, sagten Ärzte. Das Kind werde in einem Krankenhaus in Kabul behandelt. Es könne Wochen dauern, bevor es sich erholt habe.

"Dies ist einer der schlimmsten Fälle von Gewalt gegen afghanische Frauen", sagte Gesundheitsministerin Suraya Dalil, nach einem Besuch bei dem Kind. Das Mädchen sei vor sieben Monaten verheiratet worden, sagte Rahima Sarifi, die für Frauenrechte in Baghlan zuständig ist. "Ihre Schwiegereltern wollten sie zur Prostitution zwingen, um Geld zu machen."

Ehemann und Schwiegervater auf der Flucht

Ein Polizist, der an der Befreiungsaktion beteiligt, war, sagte, die Schwiegermutter und die Schwägerin seien festgenommen worden. Der Ehemann und der Schwiegervater seien jedoch entkommen. Nach ihnen und anderen Beteiligten werde gefahndet.

Zwar hat sich die Situation von Frauen in Afghanistan seit dem Sturz der radikal-islamischen Taliban vor zehn Jahren verbessert. Doch nach wie vor sind Frauen Opfer von Verschleppung, Vergewaltigung, Zwangsehen und Menschenhandel. Zugleich sind Betroffene jedoch einem immensen sozialen Druck ausgesetzt, ihre Ehen zu erdulden.

Zudem gilt es als "moralisches Verbrechen", von einem Ehemann oder einer Zwangsehe davon zu laufen. Frauen befinden sich deswegen gegenwärtig im Gefängnis. Auch wurden einige Vergewaltigungsopfer inhaftiert, weil Sex außerhalb der Ehe als Ehebruch und damit ebenfalls als "moralisches Verbrechen" gewertet wird, selbst wenn er erzwungen wurde.