Afghanistan: Bundeswehrsoldat bei Anschlag getötet

Bundeswehr nach Anschlag beschossen

Ein deutscher Soldat ist in Afghanistan bei einem Selbstmordanschlag getötet worden. Das teilte Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg mit. Sechs Soldaten seien bei dem Attentat in Puli Khumri im Norden des Landes verletzt worden. Es handle sich um einen Einsatz der ISAF-Patrouille, "der unserer Sicherheit dient". Er sei mit den Gedanken bei den Soldaten und Angehörigen.

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In Afghanistan ist ein ISAF-Militärkonvoi von einem Selbstmordattentäter angegriffen worden - ein deutscher Soldat starb.
In Afghanistan ist ein ISAF-Militärkonvoi von einem Selbstmordattentäter angegriffen worden - ein deutscher Soldat starb. Foto: Motivbild © dpa, Maurizio Gambarini

Außenminister Guido Westerwelle reagierte erschüttert. "Dieser barbarische Akt richtet sich nicht nur gegen uns, er richtet sich auch gegen die große Mehrheit der Afghanen, die eine friedliche, auf Ausgleich und Versöhnung gerichtete Politik für ihr Land will."

Nach Angaben des Gouverneurs der afghanischen Provinz Baghlan, Munschi Abdul Madschid, zündete der Attentäter den an seinem Körper befestigten Sprengsatz in der Nähe der Provinzhauptstadt Puli Khumri neben einem deutschen Militärkonvoi. Das Gebiet sei von Bundeswehr-Soldaten weiträumig abgesperrt worden.

Unmittelbar nach dem Selbstmordanschlag wurden die deutschen Soldaten in ein Feuergefecht verwickelt. Sie seien bei der Sicherung des Anschlagsorts in der Provinz Baghlan mit Handfeuerwaffen und Mörsern beschossen worden, teilte das Einsatzführungskommando in Potsdam mit.

Taliban bekennen sich

Die radikal-islamischen Taliban bekannten sich zu der Tat und erklärten, der Attentäter habe acht ausländische Soldaten mit in den Tod gerissen. Angaben der Aufständischen sind in der Regel stark übertrieben.

Linksfraktionschef Gregor Gysi forderte nach dem Anschlag auf deutsche Soldaten erneut den Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan: "Das tragische Ereignis am neunten Jahrestag des Beginns des Afghanistan-Krieges führt noch einmal vor Augen, dass der Krieg die Lage in Afghanistan um keinen Deut verbessert hat. Noch nie wurden so viele ausländische Soldaten getötet und verletzt wie in diesem Jahr." Gysi betonte: "Die Bundeswehr muss endlich 'raus aus Afghanistan."

Die Grünen zeigten sich nach dem Selbstmordanschlag bestürzt. "Wir sind tief betroffen, dass die Soldaten ihren schwierigen und unermüdlichen Einsatz mit ihrem Leben und ihrer Gesundheit bezahlten mussten", erklärten die Fraktionschefs Renate Künast und Jürgen Trittin. "Damit wird auf traurige Weise einmal mehr deutlich, wie riskant und unsicher die Lage am Hindukusch ist und noch weiter sein wird."

Bisher sind insgesamt 44 deutsche Soldaten am Hindukusch ums Leben gekommen. Von ihnen starben 27 bei Anschlägen und Gefechten.