Afghanistan: Deutscher Soldat getötet

Verteidigungsminister "unendlich traurig"

Erstmals seit fast zwei Jahren ist in Afghanistan wieder ein deutscher Soldat gefallen. Der Getötete gehörte der Elitetruppe KSK an und ist das erste Mitglied der Spezialkräfte, das im Einsatz umkam. "Das ist eine schmerzliche, bittere Nachricht", sagte Verteidigungsminister Thomas de Maiziere. Kanzlerin Angela Merkel nahm die Nachricht "mit Trauer und Betroffenheit" auf, Bundespräsident Joachim Gauck zeigte sich bestürzt.

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Erstmals seit 2011 wurde wieder ein deutscher Soldat in Afghanistan getötet. Er ist das erste Mitglied der Spezialkräfte, das im Einsatz umkam. © dpa, Uli Deck

Die deutschen Soldaten seien unter Beschuss geraten, als sie am Samstag Spezialkräfte der afghanischen Polizei bei einem Einsatz gegen Aufständische in der Unruhe-Provinz Baghlan unterstützt hätten. Ein zweiter KSK-Soldat sei verwundet worden, inzwischen aber außer Lebensgefahr. Bei anderen Angriffen im Süden und Westen des Landes wurden auch sieben US-Soldaten getötet. Es war einer der verlustreichsten Tage für die internationalen Truppen seit Jahresbeginn. Die Taliban hatten zuvor eine Frühjahrsoffensive angekündigt.

Einsätze des in Calw stationierten KSK sind normalerweise eine Geheimsache, zu der sich weder die Bundesregierung noch die Bundeswehr äußern. Bekannt ist, dass im Training bereits mehrere Soldaten der Elite-Truppe umkamen. "Jedes Menschenleben jedes Soldaten, wo immer er herkommt, hat den gleichen Wert und führt zum gleichen Schmerz", betonte er. Zuletzt war ein deutscher Soldat am 2. Juni 2011 gefallen.

Unklar, ob es öffentliche Trauerfeier geben wird

Der Minister vermied auch eine Prognose darüber, ob die jüngsten Angriffe der Aufständischen ein Wiederaufflammen der Gewalt im Norden Afghanistans erwarten ließen. Die Taliban hätten immer wieder Frühjahrsoffensiven angekündigt und wollten natürlich auch ihre Ausgangsposition für Verhandlungen verbessern, sagte de Maiziere. Er könne jedoch keine Vorhersagen über die weitere Entwicklung treffen. Die Angriffe auf die deutschen Truppen in Afghanistan hatten zuletzt kontinuierlich abgenommen. Am Donnerstag war die Bundeswehr bei Kundus jedoch erstmals seit mehr als einem halben Jahr wieder Ziel eines Sprengstoffanschlags geworden, verletzt wurde dabei niemand.

Zu einem weiteren Zwischenfall kam es in der Nacht zum Sonntag. Aufständische beschossen zwei Bundeswehr-Hubschrauber in Afghanistan, niemand sei verletzt worden, teilte die Bundeswehr mit. Die Helikopter des Typs CH-53 seien nicht beschädigt worden. Aufständische hätten die Hubschrauber, die von der nordafghanischen Provinz Baghlan in die Hauptstadt Kabul unterwegs waren, mit Flugabwehr- und Handfeuerwaffen angegriffen.

De Maiziere betonte, die Bundeswehr werde trotz der Opfer an ihrem Einsatz festhalten. Es bleibe viel zu tun bis Ende 2014, und dazu zähle offenbar auch Kampf. "Der Weg bleibt richtig, auch die Ziele für die Zeit ab 2015 bleiben richtig", erklärte der Minister. "Wir lassen das afghanische Volk nicht im Stich." Der Kampfeinsatz der Nato in Afghanistan endet 2014. Auch danach sollen jedoch 600 bis 800 deutsche Soldaten die afghanischen Sicherheitskräfte ausbilden und beraten.

Unklar ist bisher, ob es für den getöteten Soldaten wie üblich eine öffentliche Trauerfeier geben wird. Die Identität der KSK-Mitglieder wird streng geheimgehalten, bei den Trauerfeiern werden aber üblicherweise die Namen getöteter Soldaten verlesen und ihre Bilder gezeigt. Auch der konkrete Einsatzort des KSK-Soldaten in Afghanistan wurde nicht genannt. In Kilagay südlich der Stadt Baghlan bildet die deutsche Elite-Truppe jedoch afghanische Spezialkräfte aus.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) sprach den Angehörigen des getöteten Soldaten sein Mitgefühl aus. "Wir werden uns auch in Zukunft weiterhin auf Rückschläge einstellen müssen", sagte der Politiker am Rande des FDP-Parteitages. Der Einsatz sei gefährlich, und es gebe noch keine Stabilität in Afghanistan. "Und dennoch ist es richtig, dass der Abzug unserer Kampftruppen fortgesetzt wird", betonte Westerwelle, der sich mehrfach für eine Verringerung des Truppenkontingents eingesetzt hatte.

Die Bundeswehr ist seit einiger Zeit dabei, Truppen und Material aus Afghanistan abzuziehen und Feldlager zu schließen. Auch der in Baghlan gelegene Stützpunkt OP North soll noch im Frühjahr geräumt und an die Afghanen übergeben werden. Bis Ende 2014 will die Nato den Kampfeinsatz in Afghanistan beenden. Derzeit sind noch knapp 4.200 Bundeswehr-Soldaten dort im Einsatz. Seit 2002 kamen 53 deutsche Soldaten in Afghanistan ums Leben, 35 von ihnen wurden durch Angriffe und Anschläge getötet.