Afghanistan: Taliban-Großoffensive in Kabul beendet

Auch deutsche Botschaft angegriffen

Beim Angriff eines Terrorkommandos der Taliban auf ein Ausflugshotel vor den Toren Kabuls sind mindestens 20 Menschen ums Leben gekommen, darunter die sieben beteiligten Aufständischen. Auch fünf Angreifer, zwölf bis 15 Zivilisten, zwei Wachmänner sowie ein Polizist seien bei den zwölfstündigen Gefechten getötet worden, sagte Kabuls Polizeichef Ajub Salangi. Insgesamt hätten sich zwischen 350 und 450 Menschen in dem Anwesen aufgehalten, als es attackiert wurde.

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Kabul: Taliban-Angriff auf deutsche Botschaft
Schwarzer Rauch und ein NATO-Hubschrauber in der Luft - Taliban haben mehrere Ziele in Afghanistan angegriffen. © REUTERS, PARWIZ

Die radikal-islamischen Taliban bekannten sich zu dem Angriff. Er habe Afghanen und Ausländern gegolten, die das Hotel für "wilde Partys" missbrauchten, hieß es.

Nach Angaben Salangis war das schwer bewaffnete Taliban-Kommando in das Spozmai-Hotel eingedrungen. Mindestens einer der Angreifer habe eine Sprengstoffweste gezündet. "Zunächst hat die Polizei aus Angst um die Sicherheit der Gäste nicht eingegriffen", sagte er. Zahlreiche Menschen mussten daher stundenlang ausharren und auf Rettung warten. Einige wurden vorübergehend als Geiseln genommen. "Die Aufständischen haben die Zivilisten als menschliche Schutzschilde missbraucht", sagte ein Sprecher des Innenministeriums.

Anschließend hätten sich die Aufständischen heftige Schusswechsel mit afghanischen Sicherheitskräften und Nato-Soldaten geliefert. Ein Sprecher der Internationalen Schutztruppe Isaf bestätige, dass die Afghanen von ausländische Truppen unterstützt wurden. Der Einsatz sei jedoch von den einheimischen Kräften geführt worden. Nach Berichten von Augenzeugen waren Hubschrauber der Isaf an der Aktion beteiligt.

Nach Informationen des Auswärtigen Amts in Berlin wurden keine Ausländer getötet oder verletzt. Zwar sei so kurz nach der Attacke nicht auszuschließen, dass auch Ausländer in dem Hotel waren, sagte ein Sprecher. "Aber die Erkenntnisse, die uns vorliegen, die lassen erwarten und lassen hoffen, dass keine Deutschen oder andere Ausländer betroffen sind."

Westerwelle: "Auf weitere Rückschläge einstellen"

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte die Angriffe "in schärfster Form". "Wir müssen die Fähigkeit der afghanischen Sicherheitskräfte zur Bekämpfung des Terrorismus stärken", sagte er.

Die Nato hat Armee und Polizei gelobt. Sie hätten "ziemlich schnell und effizient" die Taliban-Offensive niedergeschlagen, sagte Bündnissprecherin Oana Lungescu.

Westerwelle bekräftigte die Abzugspläne für die Bundeswehr. Der internationale Kampfeinsatz dort soll 2014 enden. Man müsse sich zwar "auf weitere Rückschläge einstellen". Dennoch sei es richtig, den Prozess der Übergabe der Sicherheitsverantwortung fortzusetzen und die Abzugsperspektive umzusetzen: "Für uns steht fest: Wir werden der Gewalt der Terroristen nicht nachgeben." Die Angriffe dürften auch einen friedlichen Aufbau nicht behindern. "Die Terroristen dürfen nicht obsiegen."

Außer in Kabul griffen Aufständische Ziele in Dschalalabad, der Hauptstadt der Provinz Nangarhar, in Pul-e-Alam, der Hauptstadt der Provinz Logar, und in Gardes, der Hauptstadt der Provinz Paktia, an. Alle drei Provinzen liegen im umkämpften Osten des Landes. In Dschalalabad schlugen Isaf-Soldaten einen Angriff auf eine Militärbasis zurück.

Die Taliban verüben immer wieder spektakuläre Kommandoaktionen, bei denen mehrere prominente Ziele gleichzeitig angegriffen werden. In den Wintermonaten flauen die Kämpfe in Afghanistan ab, im Frühjahr nehmen sie dann wieder an Schärfe zu.