Ägypten: 41 Tote nach Protesten – Panzer rücken aus

27.01.2013 | 12:02
Krawalle, Proteste in Port Said In Port Said eskaliert nach Todesurteilen gegen Fußballfans die Lage.

Regierung könnte Notstand ausrufen

Nach den blutigen Krawallen in der ägyptischen Hafenstadt Port Said ist die Zahl der Toten auf 41 gestiegen. Die meisten Opfer seien an Schussverletzungen gestorben, heißt es aus Sicherheitskreisen. Unter den Toten seien zwei Polizisten. 312 weitere Menschen wurden verletzt. Bewohner der Stadt seien nach Augenzeugenberichten auf die Straße gegangen, hätten Autoreifen angezündet, und zwei Polizeistationen gestürmt.

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In Kairo kam es auch am Sonntag und damit den vierten Tag in Folge zu Krawallen. Auf einer Brücke nahe dem zentralem Tahrir-Platz bewarfen Dutzende Jugendliche Polizisten mit Steinen. Die Einsatzkräfte setzten Tränengas ein, um die Menge zurückzudrängen.

Um die Gewalt-Spirale zu stoppen, rückte die ägyptische Armee mit Panzern und Schützenpanzern aus und postierte sich an den Brennpunkten der Stadt. Auch in der Hauptstadt Kairo gab es wieder Randale. Angesichts der eskalierenden Lage erwägt die Regierung, den Notstand auszurufen und Ausgangssperren zu verhängen. Präsident Mohammed Mursi sagte die Teilnahme am Afrika-Gipfel in Äthiopien ab und berät sich mit seinen Ministern über das weitere Vorgehen.

Auslöser der jüngsten blutigen Eskalation: die Todesstrafe gegen 21 mutmaßliche Drahtzieher der Fußball-Katastrophe in der nördlichen Hafenstadt vor einem Jahr. Damals waren Fans des örtlichen Vereins Al-Masri nach dem Abpfiff brutal auf Anhänger des rivalisierenden Al-Ahli-Klubs losgegangen - 74 Menschen starben. Die Toten gehören inzwischen zu den offiziellen "Märtyrern der Revolution". Wohl auch deshalb sprechen die Verwandten und Freunde der mutmaßlichen Täter in Port Said von einem politischen Urteil.

Bildquelle: dpa bildfunk