Ägypten: Islamisten protestieren gegen Mursis Absetzung

05.07.2013 | 20:01
Blutige Proteste in Ägypten Die Armee blockiert alle Zugänge zum Tahrir-Platz, damit dort Mursi-Gegner und Anhänger nicht aufeinanderprallen.

Militär schießt auf Demonstranten

Blutiger 'Freitag der Ablehnung' in Ägypten: Bei Massenprotesten der Islamisten gegen den Sturz ihres Präsidenten Mohammed Mursi sind landesweit laut amtlichen Angaben mindestens 17 Menschen ums Leben gekommen. Anhänger und Gegner des abgesetzten Präsidenten lieferten sich im Zentrum von Kairo schwere Straßenschlachten. Zehntausende waren zuvor nach dem Mittagsgebet in Kairo und anderen Städten gegen den 'Militärputsch' auf die Straße gegangen, doch der 'Freitag der Ablehnung' endete in Chaos und Gewalt.

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"Wir werden ihn (Mursi) auf unseren Schultern tragend (ins Amt) zurückbringen", rief der Führer der Muslimbruderschaft, Mohammed Badia, Zehntausenden Anhängern zu. "Wir werden für ihn unsere Seelen opfern." Mursi war am Mittwoch von der Armeeführung nach blutigen Massenprotesten entmachtet worden. Die Sicherheitsbehörden hatten mitgeteilt, dass Badia verhaftet worden sei - sein Anwalt dementierte dies. Zugleich bestätigte er, dass zwei Führungsmitglieder der Bruderschaft, Saad al-Katatni und Monim Abdel Maksud, sowie Badias Vorgänger Mohammed Mehdi Akif verhaftet worden seien. Katatni wurde nach Angaben der Staatsanwaltschaft inzwischen wieder freigelassen.

Als Demonstranten vor den Sitz der Republikanischen Garden marschierten, wo Mursi angeblich festgehalten wird, eröffneten die Soldaten das Feuer. Mehrere Menschen wurden nach Angaben der Muslimbruderschaft verletzt. Auch im Zentrum von Kairo lieferten sich beide Seiten Straßenschlachten und bewarfen sich mit Pflastersteinen, berichtete der arabische Nachrichtensender Al-Dschasira. Fernsehbilder zeigten, dass auch Feuerwerkskörper eingesetzt wurden.

Ärger über Mursis "willkürliche" Entmachtung

Die landesweiten Proteste der Islamisten waren zunächst friedlich verlaufen. Die Menschen riefen "Mursi ist der Präsident!" und machten ihrer Wut darüber Luft, dass der erste frei gewählte Präsident in der Geschichte Ägyptens aus ihrer Sicht willkürlich entmachtet wurde. Die größte Kundgebung fand vor der Rabia-al-Adawija-Moschee in der Kairoer Vorstadt Nasr City statt. Tausende Menschen strömten auch in Alexandria, Luxor und Damanhur im Nildelta zusammen.

Das Militär hatte von vornherein klargemacht, dass es durchgreifen werde, sollten die Demonstrationen aus dem Ruder laufen. In einer in der Nacht zum Freitag verbreiteten Erklärung rief der Oberste Militärrat die Ägypter auf, Ruhe zu bewahren und ihr Recht auf Demonstrationen nicht überzubeanspruchen. "Exzesse durch unnötige Beanspruchung dieses Rechts und mögliches unerwünschtes Verhalten wie Straßensperren, die Blockade öffentlicher Einrichtungen oder die Zerstörung von Eigentum" würden nicht geduldet.

Auf der Halbinsel Sinai griffen militante Islamisten in der Nacht zum Freitag fünf Armeekontrollpunkte mit Gewehren und Panzerfäusten an. Ein Soldat wurde getötet, drei weitere verletzt, wie ägyptische Sicherheitskreise bestätigten. Zunächst war nicht klar, ob die Attacken im Zusammenhang mit dem Sturz Mursis standen.

Das Militär hatte Mursi am Mittwoch gestürzt. Er hatte es nach heftigen Zusammenstößen nicht geschafft, die Lage zu beruhigen. Auch gegen die Muslimbruderschaft, aus der Mursi stammt, ging die Militärführung scharf vor. Verfassungsgerichtspräsident Mansur trat die vorübergehende Nachfolge an. Unmittelbar nach seiner Vereidigung hatte Mansur angekündigt, die Islamisten an der Regierung beteiligen zu wollen. Dies schlossen die religiösen Kräfte jedoch kategorisch aus. Mursi selbst bezeichnete seine Entmachtung als "klaren Militärputsch". Mit einer seiner ersten Weisungen löste Mansur nun das Parlament auf.

Bildquelle: Reuters