Ägypten: Israel missachtet Friedensvertrag

Ägypten: Israel missachtet Friedensvertrag Wut über tote Soldaten: In Kairo protestierten Hunderte Ägypter vor der israelischen Botschaft.

Ägypten in der Zwickmühle

Nach dem tödlichen Grenz-Zwischenfall auf dem Sinai sieht sich Israel mit schweren Vorwürfen seines wichtigsten arabischen Partners Ägypten konfrontiert. Die Regierung in Kairo erklärte, Israel habe gegen den 1979 geschlossenen Friedensvertrag verstoßen. Sie kündigte an, ihren Botschafter zurückzurufen. Israels bisherige Reaktion auf die Tötung von fünf ägyptischen Sicherheitskräften im Zuge der grenzübergreifenden Verfolgung palästinensischer Attentäter sei unzureichend. Der Vorschlag einer gemeinsamen Untersuchung reiche nicht aus. Die Arabische Liga kritisierte Israel scharf und forderte ein Eingreifen der Vereinten Nationen. Israel bemühte sich, die Wogen zu glätten. Doch in Kairo protestierten wie schon in den Tagen zuvor Hunderte Ägypter vor der israelischen Botschaft. Ein Demonstrant erklomm das mehrstöckige Gebäude und tauschte die israelische Fahne gegen die ägyptische aus. Prompt wurde er in Zeitungen und elektronischen Medien als Held gefeiert. Nach dem "Flaggenmann" solle eine Straße benannt werden, wurde etwa über Twitter gefordert. Die Wut der Bevölkerung illustriert, in welcher Zwickmühle die Generäle stecken, die seit dem Sturz von Ex-Präsident Husni Mubarak im Februar Ägypten führen. Einerseits sehen sie sich internationalem Druck ausgesetzt, den Friedensvertrag zu wahren. Andererseits dürfte die in der Bevölkerung weit verbreite Wut auf Israel nicht spurlos an ihnen vorübergehen.

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Raketenangriffe auf Israel

Die ägyptischen Sicherheitskräfte waren bei einer Verfolgungsaktion der israelischen Armee nach einer Angriffsserie mutmaßlicher palästinensischer Extremisten am Donnerstag in der Nähe der südisraelischen Stadt Eilat an der Grenze getötet worden. Anschließend flog das israelische Militär auch Angriffe auf den Gazastreifen. Dabei kamen mindestens 15 Menschen ums Leben. Bei den Anschlägen in Israel wurden mindestens acht Menschen getötet. Seitdem feuerten radikale Palästinenser Dutzende Raketen aus dem Gazastreifen auf den Süden Israels.

Ägypten war der erste und bis zum Friedensschluss mit Jordanien 1994 der einzige arabische Staat, der einen Vertrag mit Israel unterzeichnet hat. Seit dem Sturz Mubaraks durch einen Volksaufstand wirft Israel dem Nachbarland vor, beim Grenzschutz nachgelassen zu haben. Dem Friedensvertrag zufolge darf Ägypten nur eine bestimmte Zahl von Sicherheitskräften auf der Halbinsel Sinai stationieren.

Bildquelle: dpa bildfunk