Ägypten: Spirale aus Chaos und Gewalt

Tote bei Zusammenstößen zwischen Islamisten und Militär

Ägypten versinkt in einer Spirale aus Chaos und Gewalt. Bei massiven Zusammenstößen zwischen Islamisten und dem Militär sind am Morgen in der ägyptischen Hauptstadt Kairo ach Angaben aus Sicherheits- und Krankenhauskreisen mindestens 33 Menschen getötet worden. Die Islamisten hätten versucht, eine Militäreinrichtung am Stadtrand zu stürmen, als das Feuer auf sie eröffnet worden sei.

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Chaos in Ägypten
Ägypten versinkt in einer Spirale aus Chaos und Gewalt. © REUTERS, LOUAFI LARBI

Nach Angaben des ägyptischen Fernsehens galt der Angriff einer Einrichtung der Republikanischen Garde. Zuvor hatte es in Kairo Gerüchte gegeben, dass sich der vom Militär gestürzte Präsident Mohammed Mursi dort aufhalten könnte. Die staatliche Zeitung 'Al-Ahram' meldete, "Terroristen" hätten die Einrichtung erstürmen wollen. Nach Angaben arabischer Medien soll es bei den Auseinandersetzungen auch 40 Verletzte gegeben haben. Die islamistische Muslimbruderschaft sprach indes von bis zu 40 Toten. Nach ihrer Darstellung seien Unterstützer der Islamisten während des Morgengebets angegriffen worden.

Ägypten weiter ohne Chef einer Übergangsregierung

Auch die politische Krise schwelt weiter. Bei der Suche nach einer Übergangsregierung hat es noch keinen Durchbruch gegeben. Gegen den neuen Favoriten für den Posten des Regierungschefs hat sich nach Angaben des Nachrichtensenders Al-Arabija die ultra-konservative Nur-Partei ausgesprochen.

Dem Sozialdemokraten Siad Bahaa El-Din sei das Amt angeboten worden, berichtete die ägyptische Zeitung 'Al-Ahram'. Der Wirtschaftsjurist sagte dem Blatt, es gebe noch keine offizielle oder endgültige Entscheidung. Die Salafisten wollen für das Amt dagegen eine politische neutrale Persönlichkeit. Auch Friedensnobelpreisträger Mohammed ElBaradei als Vizepräsidenten lehnen sie ab.

Viele Ägypter stehen ElBaradei skeptisch gegenüber: Der Nobelpreisträger sei zu lange im Ausland gewesen, verstehe die Menschen im Land nicht, heißt es oft. Der Jurist trat 1964 in den diplomatischen Dienst seines Landes ein. 1984 kam er zur Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) in Wien, wo er 1997 zum Generaldirektor aufstieg. Die Geschicke der Behörde lenkte er bis Ende 2009.

Nach der Entmachtung des islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi soll der Übergangspräsident Adli Mansur das Land bis zu Neuwahlen führen. Die ultra-konservative Nur-Partei war früher mit der Muslimbruderschaft verbündet, aus der Mursi stammt. Zuletzt schloss sie sich aber der Oppositionsallianz gegen den am Mittwoch vom Militär abgesetzten Präsidenten an.