Algerien: Befreite Geiseln sprechen über den "Alptraum"

18.01.2013 | 21:49
Algerien, Geiselnahme, Mali, Al-Kaida Der algerische Energieminister Youcef Yusfi besuchte im Krankenhaus von Algier Geiseln, die das Martyrium in der Wüste überlebt haben.

"Sie trugen alle Turbane und sprachen Arabisch"

Was sich in den letzten Tagen genau in dem Gasfeld in der algerischen Wüste abgespielt hat, weiß keiner so recht. Doch eines ist sicher, die Befreiungsaktion des algerischen Militärs für die von islamistischen Terroristen festgehaltenen Geiseln verlief blutig. Berichte von bisher befreiten Geiseln sind erschütternd.

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"Es war ein Alptraum", zitiert die französische Zeitung 'Le Monde' eine Geisel, die ihren Namen nicht nennen möchte. "Ich habe immer noch große Angst", stammelte ein anderer Mann laut dem Blatt. "Eine schreckliche Situation, es gab Tote". Von der ersten Nacht der Geiselnahme kommen Berichte aus einem Gemeinschaftsraum der Anlage: "Die Nacht war sehr schwer, wir hatten nichts zu essen, nichts zu trinken, jeder weinte und schrie."

Unter den Geiseln soll auch ein US-Amerikaner gewesen sein. "Ich weiß nicht, ob sie (die Terroristen) ihn als US-Amerikaner erkannt haben oder ob sie sich erschreckt haben, als er sich bewegt hat." Nach Schüssen auf den Mann sei er nicht sofort tot gewesen. "Er hat geblutet, nach den Informationen, die ich habe, hat er nicht überlebt", berichtet eine andere befreite Geisel in 'Le Monde'.

Am ersten Morgen dann: "Explosionen, Schüsse, Bombardierungen und Schreie von Frauen." Auch der Geisel ist nicht klar, ob die Terroristen Algerier sind oder aus dem Ausland stammen. "Sie trugen alle Turbane und sprachen klassisches Arabisch. Jedenfalls waren sie schwer bewaffnet." Nach Angaben der Terrororganisation Al-Kaida im Maghreb stammen die Angreifer aus Kanada, Ägypten, Mali, Algerien, Niger und Mauretanien.

Terroristen, Ausländer und Einheimische unter den Toten

Auf Europa 1 erzählt Alexandre Berceaux, einer der französischen Mitarbeiter der Anlage: "Es waren Terroristen unter den Toten, Ausländer, Einheimische." Er selbst verschanzte sich in seinem Bett, nicht weit entfernt seien die Terroristen gewesen. "Ich habe mich fast 40 Stunden in meinem Zimmer versteckt. Ich hatte etwas zu essen, etwas zu trinken. Aber ich wusste nicht, wie lange es dauern würde." Er glaubt, vom algerische Militär gerettet worden zu sein.

Eine Norwegerin berichtete im Rundfunksender NRK: "Mein Mann hat angerufen und gesagt, dass er in Sicherheit gebracht worden ist. Aber ich kann nicht jubeln, weil es ja immer noch die vielen anderen mit ungewissem Schicksal gibt." Sie habe seit Beginn der Geiselnahme "am Fernseher geklebt" und sich auf Internetseiten zusätzlich Informationen zu verschaffen versucht: "Das Ganze fühlt sich völlig unwirklich an."

Bildquelle: dpa bildfunk