Altersarmut: Jede zweite Rente 2012 war niedriger als Hartz IV

Gesetzliche Rente deckt oftmals nicht einmal die Grundsicherung

Für viele Deutsche reicht die gesetzliche Rente im Alter nicht einmal für das Nötigste. Im vergangenen Jahr belief sich fast jede zweite Rente in Deutschland auf weniger als 700 Euro, berichtet die 'Bild'. Das zeige die aktuelle Statistik der Deutschen Rentenversicherung.

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Oft reicht die gesetzliche Rente nicht zum Leben © dpa, Christian Hager

48,21 Prozent der Alters- und Erwerbsunfähigkeitsrentner erhielten demnach 2012 weniger als die Summe, die Senioren im Schnitt als Grundsicherung im Alter inklusive Miete und Heizung zusteht.

Besonders hoch sei der Anteil dieser niedrigen Renten bei Seniorinnen im Westen. Dort betrug er rund 73 Prozent. Ein Grund dafür ist, dass im Westen die Frauen früher oft zu Hause blieben oder nur in Teilzeit arbeiteten. Bei Erwerbsunfähigen, die 2012 in Frührente gegangen sind, lag er zwischen 57,25 Prozent (Männer West) und 69,2 Prozent (Männer Ost).

Laut Deutscher Rentenversicherung ist dies allerdings kein Indiz für eine steigende Altersarmut. Lediglich zwei Prozent der Altersrentner seien neben ihrer Rente auf zusätzliche Grundsicherung angewiesen. "Die Rentenhöhe alleine kann keine Auskunft über die Einkommenslage von Rentnerhaushalten geben", teilte die Deutsche Rentenversicherung (DRV) Bund mit.

Die Zahl der niedrigen Renten sei so hoch, da manche Versicherte nur kurze Zeit rentenversicherungspflichtig waren und daher nur kurz eingezahlt hätten. Dazu gehören zum Beispiel Selbstständige, Hausfrauen und Beamte. Laut Alterssicherungsbericht 2012 der Bundesregierung werden geringe Rentenbeträge "in der Regel" durch das Einkommen des Ehepartners oder aus anderen Sicherungssystemen ausgeglichen.

Minijob im Ruhestand

Trotzdem müssen im hohen Alter noch viele Deutsche arbeiten. Mehr als 812.000 Minijobber über 65 Jahre zählte die Bundesagentur für Arbeit im vergangenen Jahr. Mehr als 128 000 von ihnen waren sogar älter als 74. Das meldet die Chemnitzer 'Freie Presse'. Ende 2003 hatten dagegen laut Statistik 595.433 Senioren einen Minijob, davon waren rund 77.000 älter als 74. Dies bedeutet eine Zunahme um 36,4 Prozent.

Aber auch die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten ab 65 stieg bundesweit im gleichen Zeitraum laut BA-Statistik um rund 61.000 auf knapp 171.000. Auf die "Rente mit 67" lässt sich das jedoch nicht erklären, da dies die Rentner bisher noch gar nicht betrifft.

Darin sieht Linke-Bundestagsabgeordnete Sabine Zimmermann, die die Statistik angefordert hatte, sehr wohl einen Beleg für steigende Altersarmut. "Der weitaus überwiegende Teil der älteren Menschen dürfte nicht zum Spaß und Zeitvertreib nach Erreichen des Rentenalters weiter arbeiten, sondern aus purer finanzieller Not", sagte sie der Zeitung.