Altkleidersammlung: Das große Geschäft mit den Spenden

Was mit der Altkleidersammlung wirklich passiert

Rund 300 Millionen Kleidungsstücke wandern in Deutschland jährlich in Altkleidercontainer oder Altkleidersammlungen. Die meisten Spender gehen davon aus, dass die Ware direkt an Bedürftige verteilt wird. Sobald die Altkleider im Container sind, werden sie allerdings zur Ware auf dem Weltmarkt. Das große Geschäft machen die Textilhändler. Wir zeigen, was mit den abgelegten Sachen passiert und worauf Sie achten sollten.

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Das große Geschäft mit der Altkeiderspende
Die meisten Deutschen ahnen nicht, wo die Altkleidersammlung landet © picture alliance, CHROMORANGE / Karl-Heinz Sprembe

In Deutschland werden jedes Jahr 750.000 Tonnen Altkleider gespendet. Was kaum einer weiß: Die abgelegte Kleidung hat auf dem weltweiten Markt einen großen Wert. Bei einem Altkleiderpreis von 200 Euro pro Tonne ist dieser Berg Kleidung 150 Millionen Euro wert. "Das hat mit der Spende, die ursprünglich beabsichtigt ist, nichts mehr zu tun", sagt der Altkleider-Experte Friedel Hütz-Adams vom Institut Südwind.

Das Rote Kreuz als größter Altkleidersammler verkauft zum Beispiel den Inhalt von Sammel-Containern an Händler weiter, die professionell mit Kleidern handeln. Internationale Alttextil-Händler geben die Kleidung nicht etwa an Bedürftige weiter, sondern stoßen die Posten in den Markt ab, in dem sie das meiste Geld erhalten. Aus den Rot-Kreuz-Spenden wird so eine Ware. Beim Roten Kreuz bleibt eher wenig Geld hängen, was immerhin für karitative Zwecke ausgegeben wird.

Bei den Händlern werden die Textilien nach verschiedenen Qualitätsstufen sortiert. Die sogenannte Creme-Ware - die besten Stücke - wird erst gar nicht ins Ausland exportiert, sondern im Inland an Second-Hand Läden weiterverkauft. Der Rest wird für den Export nach Osteuropa, Südamerika oder Afrika in Ballen gepresst. Experten kritisieren seit Jahren den Handel mit den Alktkleiderspenden. Zum einen, weil für die Spender überhaupt nicht erkennbar sei, was mit ihren gut gemeinten Spenden passiert. Denn immer noch gehen die meisten Deutschen davon aus, dass diese Spenden von den karitativen Einrichtungen direkt an Bedürftigen weitergegeben werden. Der andere Kritikpunkt: Durch die Altkleiderspenden werde in den Nehmerländern die heimische Textilindustrie zerstört. Bereits sieben von zehn Kleidungsstücken, die in Afrika getragen werden, sollen aus Europa oder den USA stammen - alles Altkleiderspenden.

Hochwertige Sachen lieber selber verkaufen

Folgende Punkte sollten bei Altkleiderspenden berücksichtigt werden:

- Meiden Sie Sammlungen an der Haustür, in denen besonders gefühlsbetont zur Spende aufgerufen wird. Wenn jemand behauptet "Helfen Sie, damit wir helfen können" behauptet, dann hat das meist einen unseriösen Hintergrund. Auf den Flyern ist dann auch meist keine vollständige Anschrift angegeben, sondern nur eine Handynummer.

- Wenn Sie Ihre Altkleider aus zeitlichen- oder praktischen Gründen in einem Container abgeben wollen, dann informieren Sie sich vorher über den Aufsteller des Containers. Unter www.fairwertung.de finden Sie einen Überblick über seriöse Altkleidersammler.

- Geben Sie Ihre Spenden am besten dorthin, wo Sie sehen können, was damit passiert. Das können Altkleiderkammern oder Arbeitsloseninitiativen sein, die die Kleidung in Deutschland reparieren und in Sozialkaufhäusern weiterverkaufen. Allerdings übersteigt hier das Angebot die Nachfrage bei Weitem. Kleiderkammern sind in der Regel deshalb bereits gut gefüllt. Mehr Informationen hierzu finden Sie unter drk.de oder bei den Ortsverbänden der Caritas.

- Verkaufen Sie höherwertige Sachen selber auf dem Flohmarkt oder über eBay und spenden Sie die Erlöse an Einrichtungen, die sie bevorzugen. Dann entscheiden Sie, was mit dem Geld passiert und es ist definitiv die beste Methode, um ein Maximum an Spenden zu erwirtschaften. Mehr Informationen zu diesem Thema bekommen Sie unter z.B. maedchenflohmarkt.de oder buddyandselly.com.