Altmaier neuer Umweltminister – Röttgen bedankt sich leise

Kanzlerin Merkel wirkte wie versteinert

Eine Woche nach dem Rauswurf von Umweltminister Norbert Röttgen hat sein Nachfolger Peter Altmaier seine Ernennungsurkunde erhalten. Bundespräsident Joachim Gauck verabschiedete Röttgen im Schloss Bellevue mit viel Lob für dessen Verdienste. Kanzlerin Angela Merkel verfolgte die Zeremonie ohne große Regung. Zum Schluss gab es für Röttgen einen kurzen Händedruck.

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Röttgen Altmaier Umweltminister Gauck Verabschiedung
Bundespräsident Gauck lobte Ex-Umweltminister Röttgen für seine Verdienste bei der Energiewende. © dpa, Michael Kappeler

Röttgen wurde von seiner Frau Ebba begleitet und bemühte sich, während der Rede Gaucks Haltung zu bewahren. Gelegentlich zeigte er ein Lächeln. Der Bundespräsident bescheinigte ihm, er habe sich mit seinem Einsatz für den weltweiten Klimaschutz einen Namen gemacht und Forschung sowie die Nutzung erneuerbarer Energien leidenschaftlich vorangetrieben. "Früher als andere haben Sie erkannt, dass es Zeit für die Energiewende ist. Dafür sind wir dankbar." Röttgen habe zudem Bewegung in die Suche nach einem Endlager für Atommüll gebracht. Der 46-Jährige, der Bundestagsabgeordneter und zumindest vorerst auch stellvertretender CDU-Vorsitzender bleiben will, antwortete leise: "Herzlichen Dank für ihre Worte. Danke Ihnen sehr."

Merkel wirkte hingegen wie versteinert. Gerade vom Nato-Gipfel aus den USA per Nachtflug zurückgekehrt, war die Kanzlerin erschöpft und distanziert. Es schien fast so, als hätte sie gerade ihre Entlassungsurkunde in die Hände gedrückt bekommen. Regungslos blickte sie geradeaus, als Gauck auf die Verdienste Röttgens einging. Später verteidigte sie abermals ihre Entscheidung, Röttgen aus dem Amt gehoben zu haben. Sie sei sich sehr bewusst über die politische und menschliche Tragweite der Entscheidung gewesen und habe diese sehr bedacht, sagte sie bei einem Fraktionstreffen. Ebenso sehr sei sie sich aber auch ihrer Verantwortung als Bundeskanzlerin bewusst. Zu einer Aussprache zwischen Merkel und Röttgen kam es nach Teilnehmer-Angaben nicht.

Altmaier vor großen Herausforderungen

Die Kanzlerin hatte Röttgen nach dem Wahldesaster der CDU in Nordrhein-Westfalen überraschend entlassen, weil sie ihm nach Darstellung aus der Union die Umsetzung der Energiewende als eines der wichtigsten schwarz-gelben Projekte nicht mehr zutraute. In der eigenen Partei wurde über den plötzlichen Rausschmiss heftig diskutiert. Auch Röttgen selber wollte sich öffentlich über Merkels Entscheidung beschweren und die bisherige Darstellung der Umstände korrigieren. Nachdem er aber parteiintern vor einer Abrechnung mit der Kanzlerin gewarnt wurde, machte er einen Rückzieher und schwieg.

Der neue Umweltminister Altmaier muss hingegen jetzt nach vorne blicken: Energiewende, Endlagersuche und der Versuch, ein globales, verbindliches Klimaschutzabkommen durchzusetzen – das sind seine großen Herausforderungen. Der 53-Jährige hat im Umweltbereich bisher wenig Erfahrung, eine Einarbeitungszeit bleibt ihm angesichts der vielen Baustellen kaum. Der neue Minister nimmt direkt am nächsten Treffen Merkels mit den 16 Ministerpräsidenten zur Umsetzung von Atomausstieg und Energiewende teil. Bevor er sich aber an die wirklich wichtigen Themen macht, galt seine erste Amtshandlung einem ganz anderen Feld: Der Twitter-Fan lässt einen eigenen Account für das Umweltministerium einrichten.