Alzheimer: Wenn das Vergessen beginnt – Patientenzahl steigt dramatisch

2050 doppelt so viele Patienten wie heute

Als David Sieveking wieder nach Hause kommt, erlebt er einen Schock. "Die Mutter, die ich von früher kenne, gibt es nicht mehr", erklärt er in seinem Film 'Vergiss mein nicht'. Über anderthalb Jahre dokumentiert Sieveking mit der Kamera, wie seine an Alzheimer erkrankte Mutter Gretel immer mehr vergisst. Damit teilt er das Schicksal von Millionen Deutschen. Bis zum Jahr 2050 wird sich die Zahl an Demenzkranken hierzulande mehr als verdoppeln.

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Vergiss mein nicht, Alzheimer, national
Mit dem Film 'Vergiss mein nicht' erzählt Regisseur David Sieveking das Alzheimer-Schicksal seiner Mutter. © farbfilm verleih

Mit Anfang 70 diagnostizieren die Ärzte bei Gretel Sieveking die Alzheimer-Demenz. Am Anfang kann sie sich nur noch schlecht an ihre Jugend erinnern, mit der Zeit erkennt sie ihren Mann Malte und ihren Sohn David nicht mehr wieder. Als David für kurze Zeit die Pflege seiner Mutter übernimmt, kommt ihm die Idee mit dem Film. Er schildert anschaulich, wie Angehörige im Alltag lernen müssen mit Alzheimer umzugehen.

Und immer mehr Menschen sind von der unheilbaren Krankheit betroffen: In Deutschland sagen Experten einen starken Anstieg der Patienten voraus. Nach jüngsten Angaben der Deutschen Alzheimer Gesellschaft (DAlzG) wird sich die Zahl der Demenzkranken bis 2050 mehr als verdoppeln - von derzeit 1,4 Millionen auf rund 3 Millionen Betroffene. Etwa zwei Drittel von ihnen haben demnach Alzheimer. Der Grund liegt nahe: Die Zahl der älteren Menschen nimmt immer weiter zu. Und mit dieser Entwicklung wächst der DAlzG zufolge auch die Zahl der Demenzkranken - sofern kein Durchbruch in der Therapie gelingt.

Mehr Investitionen in Forschung gefordert

In den USA ist die Lage noch dramatischer: Im Jahr 2050 werden einer Studie zufolge etwa dreimal so viele Amerikaner an Alzheimer erkrankt sein wie heute. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher im Fachjournal 'Neurology'. Die Zahl der Erkrankten werde von 4,7 Millionen im Jahr 2010 auf 13,8 Millionen Menschen steigen, prophezeit das Team um Liesi Hebert vom Rush University Medical Center in Chicago.

"Unsere Studie macht auf etwas Dringendes aufmerksam: Diese Epidemie muss durch mehr Forschung, mehr Behandlung und mehr Prävention gemindert werden", sagt die Mitautorin der US-Studie Jennifer Weuve. "Der Anstieg hat mit der alternden Baby-Boom-Generation zu tun." Gemeinsam mit ihren Kollegen wertete Weuve Daten von 10.802 Menschen aus Chicago aus. Die Informationen umfassen einen Zeitraum von fast 20 Jahren.

Auch wenn es in der Forschung bislang noch kein Allheilmittel gibt, so sind menschliche Zuwendung und Beschäftigung der DAlzG zufolge für Demenzkranke von besonderer Bedeutung. Auch Regisseur Sieveking geht in seinem Film intensiv auf seine Mutter ein, zeigt ihr alte Fotoalben und fährt mit ihr an besondere Orte ihrer Jugend. Gretel Sieveking verstarb im Februar 2012.


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