Amando Knox erhebt schwere Sex-Vorwürfe gegen italienische Justiz

25.04.2013 | 11:56
Knox, Engel mit Eisaugen, Prozess, Buch Ist Amando Knox Opfer statt Täter? In ihrem Buch erhebt der 'Engel mit den Eisaugen' schwere Vorwürfe gegen die italienische Justiz.

"Er wollte wissen, wie ich es am liebsten tat, ob ich es mit ihm tun würde"

Angeklagt wegen eines Sex-Mordes, vier Jahre hinter Gittern, aus Mangel an Beweisen freigesprochen, ein Jahr danach wird der Prozess neu aufgerollt: Der Fall der US-Studentin Amanda Knox enthält ohne Zweifel Stoff für ein Buch und genau dieses wird am 30. April in den USA und Deutschland veröffentlicht. Darin erhebt der 'Engel mit den Eisaugen' schwere Vorwürfe gegen die italienische Justiz: In 'Waiting zu be heard' (Zeit, gehört zu werden)' spricht sie von intimen medizinischen Untersuchungen, Aufforderungen zum Sex, einer angeblich vorgetäuschten HIV-Infektion und ihren Selbstmordgedanken.

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Demnach begannen die Übergriffe auf Knox ihren eigenen Aussagen zufolge direkt nach der Inhaftierung Ende 2007. Ärzte hatten sie angewiesen, sich auszuziehen und dann ihre Genitalien mit bloßen Händen untersucht. Laut 'Daily Mail' beschuldigt Knox den Mediziner, dass er "meine intimsten Stellen fotografiert hat". Doch damit nicht genug: Auch der Vize-Gefängnisdirektor habe die 25-Jährige sexuell belästigt. "Raffaele Argiro sagte: Ich hörte, du stehst auf Sex? Welche Stellungen magst du am liebsten? Willst du Sex mit mir?" Laut Knox war Argiro besessen von Sex. "Er wollte wissen, mit wem ich es tat, wie ich es am liebsten tat, ob ich es mit ihm tun würde. Ich war so überrascht und geschockt."

Um sie gefügig zu machen, soll Knox geschlagen worden sein. Zudem wurde der US-Studentin angeblich mitgeteilt, dass sie sich mit dem HI-Virus infiziert habe. Wegen der Infektionen wurde sie offenbar gezwungen, sämtliche Sexualpartner preiszugeben und diese Informationen seien wiederum der Presse zugespielt worden. Gefängnis-Vize Argiro weist alle Vorwürfe zurück und behauptet, dass Knox selbst ständig über Sex sprechen wollte.

"Ich stellte mir vor, Selbstmord zu begehen"

Getrieben von ihrer tiefen Verzweiflung hegte der 'Engel mit den Eisaugen', der im Gefängnis auch "Foxy Knoxy" (Sexy Knoxy) genannt wurde Selbstmordgedanken. "Ich stellte mir vor, Selbstmord zu begehen. Wollte mich einfach in einem Müllsack ersticken", schreibt sie in ihrem Buch, aus dem der US-Sender ABC einige Auszüge vorab veröffentlichte. "Ich habe mich selbst als Leiche vorgestellt", heißt es demnach weiter.

In einem Interview mit dem 'People'-Magazin erklärte Knox, dass sie immer wieder von ihren Ängsten eingeholt wird. "Die Dinge beschleichen mich manchmal, und ganz plötzlich bin ich überwältigt von dem Gefühl von Hilflosigkeit und dieser Verzweiflung und der Angst, nur zu hoffen", sagte Knox dem US-Blatt.

Gut 18 Monate ist Knox mittlerweile auf freiem Fuß. Beschuldigt gemeinsam mit ihrem damaligen Freund Raffaele Sollecito ihre Mitbewohnerin Meredith Kercher ermordet zu haben, wurden sie zu 26 und 25 Jahren Haft verurteilt. Vier Jahre nach dem Schuldspruch folgte die spektakuläre Wende – die Urteile gegen das Liebespaar wurden aufgehoben, Knox und Sollectio freigesprochen. Um endgültig mit dem Albtraum abzuschließen, unterschrieb Knox für rund drei Millionen Euro einen Vertrag für ihr Buch. Vor allem aber wird sie damit Geld verdienen wollen, denn das wird sie für die Neuauflage ihres Prozesses brauchen.

Bildquelle: Reuters