Amateurvideo zeigt Flugzeug-Crash von San Francisco - Ursachensuche nach Bruchlandung

Flugzeug flog den Airport viel zu langsam an

Nach der fatalen Bruchlandung eines südkoreanischen Passagierflugzeugs in San Francisco kommen die US-Behörden bei der Ursachensuche voran. Nach ersten Ermittlungen versuchte der Pilot im letzten Moment vor dem Aufprall einen Landeabbruch, sagte die Chefin der US-Verkehrssicherheitsbehörde NTSB, Debbi Hersman. Für Piloten ist der Flughafen an der Westküste schon länger ein Horror: Wichtige Flugleitsysteme seien seit Wochen außer Betrieb.

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Flugzeugunglück in San Francisco
Nach der erschreckenden Bruchlandung eines koreanischen Passagierflugzeugs in San Francisco gehen Experten der Ursache auf den Grund. © dpa, National Transportation Safety B

Ersten Ermittlungen zufolge versuchte der Bruchpilot, die Boeing 777 im letzten Moment vor dem Aufprall durchzustarten, wie Hersman erläuterte. Die Maschine sei zu langsam geflogen. Damit verdichten sich Hinweise, dass menschliches Versagen das Unglück ausgelöst haben könnte. Laut Asiana hatte der Pilot kaum Erfahrung im Steuern einer Boeing 777. Er war nach offiziellen Angaben noch im Training für Flüge mit dem verunglückten Flugzeugtyp und noch nie mit dem Jet in San Francisco gelandet. Weder die amerikanischen noch südkoreanischen Behörden wollten bisher von einem Pilotenfehler sprechen. Hersman betonte aber, dass die Anfluggeschwindigkeit deutlich unter den notwendigen 253 Kilometern pro Stunde gelegen habe.

Der vorläufigen Auswertung des Flugschreibers zufolge forderte ein Mitglied der Cockpit-Besatzung sieben Sekunden vor der fatalen Bruchlandung, die Fluggeschwindigkeit zu erhöhen. Ein vom TV-Sender CNN veröffentlichtes Video suggeriert, dass die Boeing 777 der südkoreanischen Fluggesellschaft Asiana viel zu tief flog, bevor sie die Landebahn erreichte.

Das widerspricht aber der von Piloten bestätigten Praxis, dass die Lotsen in San Francisco eine extrem starke Sinkrate durchfunken, damit die Maschinen schnell herunterkommen, um möglichst kurz in niedriger Höhe zu fliegen – vermutlich aus Lärmschutzgründen. Der Mitschnitt der Funkaufnahmen aus dem Cockpit gäbe keinen Anlass zu glauben, dass die Maschine einen technischen Defekt gehabt hätte.

Der Flughafen von San Francisco gilt unter Piloten als Herausforderung – der Anflug über das Wasser mache dem Piloten eine optische Abschätzung der Flughöhe schwer. Zudem sind seit einigen Wochen wegen Umbauarbeiten mehrere Sicherheitssysteme für den Landeanflug außer Betrieb. Hersman erklärte, Ermittler würden überprüfen, welche Rolle ein Fehlen der Gleitweganzeige bei dem Unglück gespielt habe. "Ein stabilisierter Anflug in San Francisco ist eigentlich kaum mehr möglich gewesen", sagt der Kapitän einer deutschen Airline, der regelmäßig dort mit seiner Maschine heruntergeht. "Es war nur eine Frage der Zeit, bis so etwas passiert", klagt der Pilot im Gespräch mit ‘Spiegel Online‘. Auch die Anflugbefeuerung, die dem Piloten hilft, den richtigen Anflugwinkel zu finden, stehe derzeit nicht zur Verfügung. Alles Systeme, die besonders für schwere Langstreckenflugzeuge wichtig sind. Schon geringe Abweichungen im Anflugwinkel können ein hartes Aufsetzen des Flugzeuges verursachen. Das Video zeigt, wie falsch der Pilot den Anflugwinkel wählt – das Heck schlägt zuerst auf dem Boden auf.

Mädchen von Rettungswagen überfahren?

Bei dem Unglück am Samstag kamen zwei junge Chinesinnen ums Leben. Eines der beiden 16-Jährigen Mädchen wurde offenbar auf der Landebahn von einem Rettungswagen überfahren. Nach US-Medienangaben deuteten die Verletzungen darauf hin. Eine Obduktion werde die Todesursache bei beiden klären.

Mindestens sechs der gut 180 Verletzen waren laut einer Krankenhaussprecherin auch am Sonntagabend noch in kritischer gesundheitlicher Verfassung. Insgesamt überlebten 305 Menschen. Die Boeing 777-200 war nach einem gut zehnstündigen Flug von Seoul ohne Vorwarnung auf der Landebahn des internationalen Airports der Westküstenmetropole aufgeschlagen. Sie brach auseinander und brannte größtenteils aus. Der Flughafen liegt am Ufer der Bucht von San Francisco. Möglicherweise seien die Räder gegen eine Begrenzung geprallt, so dass der Pilot die Kontrolle über den Flieger verloren habe, meinten Beobachter.

"Wir haben sehr viel Glück gehabt, dass wir so viele Überlebende haben", sagte der Bürgermeister der Stadt, Ed Lee. "Das hätte viel schlimmer sein können." "Wir sind sehr dankbar, dass es nicht mehr Tote gab", sagte Hersman.

Die Ermittlungen könnten sich nach Angaben des südkoreanischen Verkehrsministeriums noch über Monate, vielleicht Jahre hinziehen. Ein gemeinsames Team von Ermittlern des Ministeriums, die in die USA geflogen waren, und Vertretern der US-Behörden hatte danach die insgesamt vier Piloten im Cockpit der verunglückten Maschine zum Hergang der Unfalls befragt.