Amnesty-Jahresbericht: Mehr als die Hälfte der Länder foltert

13.05.2014 | 19:37
Amnesty-Jahresbericht Mehr als die Hälfte der Länder foltert Amnesty startet eine neue Kampagne zur Ächtung der Folter weltweit. 30 Jahre nach Verabschiedung der Anti-Folter-Konvention ist die Lage immer noch nicht so, dass man zufrieden sein kann.

Gesetze gegen Folter meistens nur auf Papier

In mehr als der Hälfte der Länder der Welt wird nach Angaben von Amnesty International immer noch gefoltert. Die Menschenrechtsorganisation legte ihren Jahresbericht vor, wonach es aus insgesamt 141 Staaten "glaubwürdige Informationen" über grausame Misshandlungen gibt. In Ländern wie Nordkorea, Syrien und Mexiko gehört Folter demnach systematisch zur Tagesordnung. Zudem würden die Methoden immer brutaler werden.

- Anzeige -

Der Generalsekretär von Amnesty International, Salil Shetty, kritisierte: "Rund um die Welt praktizieren Regierungen beim Thema Folter eine Doppelmoral: Per Gesetz wird sie verboten und in der Praxis erleichtert."

Weltweit häufigste Form der Folter und Misshandlung ist dem Bericht zufolge das Verprügeln. Weit verbreitet seien auch Stromstöße und Isolationshaft. In vielen Ländern werden die Opfer in unnatürliche Körperhaltungen gezwungen, die schnell große Schmerzen bereiten. Auf den Philippinen wurde sogar ein drehbares 'Glücksrad' mit verschiedenen Folterpraktiken entdeckt, mit dem Polizisten darüber entscheiden, wie sie ihre Opfer quälen.

Für viele ist Folter in Ordnung

Zunehmend Sorge bereitet den Menschenrechtlern, dass immer mehr Regierungen versuchen, Folter mit der nationalen Sicherheit zu rechtfertigen - und von der Bevölkerung dafür auch noch unterstützt werden. Aus einer Umfrage, die 'Amnesty' in 21 Ländern in Auftrag gab, geht hervor, dass zum Beispiel in China drei Viertel der Leute die Misshandlungen notfalls für gerechtfertigt halten, um an "Informationen zum Schutz der Öffentlichkeit" zu kommen.

Aber auch in einigen großen Demokratien wird diese Meinung von vielen geteilt. Dabei wirft Amnesty den USA vor, mit den Methoden ihres 'Kriegs gegen den Terror' ein schlechtes Vorbild geliefert zu haben. In den USA fanden 45 Prozent der Befragten, dass Folter unter gewissen Umständen in Ordnung sei. In Deutschland waren es immerhin noch 19 Prozent.

Hierzulande gab es nach Amnesty-Angaben in den vergangenen fünf Jahren keine Berichte über Folter, jedoch mehrfach über Misshandlungen durch die Polizei. Die Bundesrepublik gehörte zu den ersten Staaten, die vor 30 Jahren die Anti-Folter-Konvention der Vereinten Nationen unterzeichneten. Inzwischen haben 155 Länder die Vereinbarung ratifiziert. 'Amnesty' zufolge wird jedoch auch in mindestens 79 dieser Länder gefoltert.

Bildquelle: dpa bildfunk