Amokalarm in Memmingen: 15-Jähriger muss viereinhalb Jahre in Jugendhaft

"Totaler Blackout" aus Liebeskummer

Seine Freundin hatte mit ihm Schluss gemacht und er fühlte sich ungerecht behandelt. Das bewog einen heute 15-Jährigen am 22. Mai 2012 in der bayerischen Kleinstadt Memmingen dazu, mit Waffen in seine Schule zu laufen und um sich zu schießen. Zwar kam dabei niemand zu Schaden, doch saß der Schock damals tief. Er selbst sprach vor dem Landgericht in Memmingen von einem "totalen Blackout". Heute fiel das Urteil: Viereinhalb Jahre Jugendstrafe.

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Memmingen: Amokalarm aus Liebeskummer
In diesem Saal fiel das Urteil gegen einen 15-Jährigen, der aus Liebeskummer an seiner Schule Amokalarm ausgelöst hatte. Die Öffentlichkeit war von der Verhandlung ausgeschlossen. © dpa, Karl-Josef Hildenbrand

Die Anklage lautete unter anderem zwölffacher versuchter Totschlag. Dafür drohten ihm bis zu zehn Jahren Jugendstrafe. Die Staatsanwaltschaft forderte nach Angaben eines Justizsprechers fünf Jahre.

Im Prozess, wo der Junge am 22. Januar 2013 aussagte, habe er "gefasst aber verschlossen" gewirkt, so ein Sprecher. "Es ist schwierig für ihn und er ist froh, wenn der Tag vorbei ist", sagte seine Anwältin an dem Tag. Er selbst beteuerte vor dem Richter, er habe niemanden töten wollen.

Am Tag der Tat soll das laut Zeugen anders geklungen haben: "Wenn ihr jemandem sagt, dass ich Waffen dabei habe, muss ich euch auch umbringen", soll der Achtklässler zu Mitschülern gesagt haben, die seine Waffen entdeckten. Zuvor habe er davon gesprochen, seine Freundin und Lehrer zu töten.

Waffen aus dem Schrank des Vaters gestohlen

Nachdem der Schüler in der Schule einen Schuss abgegeben hatte, wurde Amokalarm ausgelöst. Die etwa 280 Schüler der Mittelschule flüchteten mit ihren Lehrern in die Klassenzimmer und verschanzten sich. Der Junge zog mit den scharfen Waffen seines Vaters weiter auf einen Sportplatz und schoss dort weiter um sich – auch in Richtung von Polizisten.

Erst nach mehrstündigen Verhandlungen konnten die herbeigerufenen Spezialkräfte den jungen Schützen zur Aufgabe bewegen. Anschließend wurden mehr als 70 Patronenhülsen sichergestellt. Verletzt wurde zum Glück niemand.

Die Waffen hatte er von seinem Vater. Bereits am Abend vor der Tat sei der Junge wegen der Trennung erregt und aggressiv gewesen und habe sich im häuslichen Keller im Beisein seines Vaters beim Schießen mit Luftdruckwaffen abreagiert, so ein Justizsprecher.

Als der Vater ihn zwischendurch alleine ließ, manipulierte er das Zahlenschloss des Tresors, in dem der Schlüssel für den Waffenraum gelagert war. Später verschaffte er sich von dort zwei scharfe Pistolen, eine Luftdruckpistole, einen Dolch und Munition.

Nach seiner Festnahme wurde der Schüler zunächst in einer psychiatrischen Klinik untergebracht. Seit Herbst saß er nun in Untersuchungshaft. Ein Gutachter hatte ihn für schuldfähig erklärt.