Amoklauf in Afghanistan: US-Soldat erschießt Frauen und Kinder

Frauen und Kinder im Schlaf getötet

Knapp drei Wochen nach der Koranverbrennung durch US-Soldaten in Afghanistan hat ein amerikanischer Soldat nach Regierungsangaben 16 Zivilisten erschossen. Unter den Todesopfern seien neun Kinder, die im Schlaf getötet wurden. Auch drei Frauen und vier Männer gehörten zu den Opfern der Bluttat in der südafghanischen Provinz Kandahar, teilte der Präsidentenpalast in Kabul mit. Fünf Menschen seien verletzt worden. Präsident Hamid Karsai sprach von einem "unverzeihlichen Verbrechen".

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US-Soldat erschießt afghanische Zivilisten
US-Soldaten bewachen den Eingang zu einem Militärcamp im Distrikt Pandschawi. Vor dem US-Stützpunkt kommt es zu Demonstrationen gegen die Ermordung der unschuldigen Dorfbewohner. © REUTERS, AHMAD NADEEM

Die US-Regierung müsse die Tat dem afghanischen Volk erklären. "Die afghanische Regierung hat diese sogenannten Anti-Terror-Operationen, in denen Zivilisten Opfer erleiden, oft verurteilt. Wenn amerikanische Soldaten aber absichtlich Menschen töten, dann ist das (...) ein unverzeihliches Verbrechen", hieß es in einer Mitteilung Karsais.

Zeugen berichteten, der US-Soldat sei nachts in Wohnhäuser eingedrungen und hätte das Feuer eröffnet. Ein afghanischer Reporter, der anonym bleiben wollte, sagte: "Es sieht so aus, als ob er von Haus zu Haus gegangen ist und die Bewohner kaltblütig erschossen hat", sagte er nach einem Besuch des Tatorts.

Wie aus westlichen Sicherheitskreisen verlautete, verließ der US-Soldat vor Sonnenaufgang seinen Stützpunkt. In einem Dorf sei er dann in mehrere Häuser eingedrungen und habe die Bewohner erschossen. Anschließend habe er sich gestellt. Den Angaben zufolge soll der Soldat unter psychischen Problemen gelitten haben. Eine offizielle Bestätigung gab es dafür zunächst nicht.

Nach dem Vorfall hätten sich zahlreiche Menschen vor dem US-Stützpunkt versammelt, um gegen die Ermordung der Dorfbewohner zu protestieren.

Obama zeigt sich "tief betrübt"

US-Präsident Barack Obama zeigte sich "tief betrübt" über den Vorfall. "Dieser Zwischenfall ist tragisch und schockierend", teilte er mit. Das Verhalten des Soldaten sei nicht repräsentativ für amerikanische Militärangehörige und den Respekt der Vereinigten Staaten für das afghanische Volk. In einem Telefonat mit Karsai brachte er "Schock und Trauer" zum Ausdruck.

Der Fall werde untersucht, sagte der Kommandeur der Internationalen Schutztruppe Isaf und der US-Soldaten in Afghanistan, General John Allen. Auch er hatte sich "schockiert" gezeigt und den Angehörigen kondoliert. Die US-Botschaft in Kabul warnte vor Vergeltungstaten. Die radikalislamischen Taliban, die in der betroffenen Gegend stark vertreten sind, kündigten Racheakte an.

Der deutsche Außenminister Guido Westerwelle zeigte sich bei einem Besuch in Saudi-Arabien tief erschüttert. "Erneut hat das unverantwortliche und gänzlich unverständliche Handeln von Einzelnen bei uns allen große Bestürzung ausgelöst. Mein tief empfundenes Mitgefühl gehört den Angehörigen der Opfer", sagte er. Auch der Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen hat sich bestürzt über das verübte Massaker gezeigt. "Ich bringe meinen Schock und meine Trauer über dieses tragische Ereignis in der Provinz Kandahar zum Ausdruck", sagte er.

Die Beziehungen zwischen Afghanen und den Nato-Truppen erreichten erst im vergangenen Monat einen Tiefpunkt, nachdem auf einem Stützpunkt der US-Streitkräfte mehrere Ausgaben des Korans verbrannt worden waren. Daraufhin wurden unter anderen zwei US-Offiziere im afghanischen Innenministerium erschossen. Die Nato zog daraufhin ihre Berater aus den Ministerien in und um Kabul ab. Großbritannien, Deutschland und Kanada folgten dem Schritt.


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