Amoklauf in Arztpraxis: Polizei findet Abschiedsbrief

07.03.2012 | 11:03
Amoklauf in Arztpraxis: Polizei findet Abschiedsbrief Der 78-jährige Todesschütze von Weilerbach in der Pfalz hatte seine Tat ersten Ermittlungen zufolge geplant.

Todesschütze war an Krebs erkrankt

Der 78-jährige Todesschütze von Weilerbach in der Pfalz hatte seine Tat ersten Ermittlungen zufolge geplant. Darauf deute eine Art Abschiedsbrief hin, der im Haus des Mannes gefunden wurde, sagte ein Einsatzleiter der Polizei in Kaiserslautern.

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"Mein Sohn soll alles regeln. Ich will kein Grab. Ich will verbrannt werden, aber ich will keine Urne. Es sollen keine Erinnerungen übrig bleiben", lautet die Nachricht auf einem Zettel, den die Polizei auf dem Küchentisch fand.

Den bisherigen Ermittlungen zufolge kam der Mann am Montag gegen 16.00 Uhr in die Praxis, bezahlte die Gebühr von zehn Euro und setzte sich ins Wartezimmer. Er soll zwei Waffen dabei gehabt haben, die er in der Tasche versteckt hatte. Als er aufgerufen wurde, ging er in das Behandlungszimmer und schoss gezielt auf den 46-jährigen Mediziner. Ein weiterer Arzt, der Onkel des Schwerverletzten und eine Arzthelferin, eilten den Erkenntnissen zufolge zu Hilfe und wurden ebenfalls getroffen. Der 63-jährige Mediziner und sein Neffe starben in der Praxis. Die Assistentin wurde verletzt, wie Einsatzleiter Hans Maaßen berichtete.

Schütze wohl psychisch krank

Erst einem weiteren Arzt gelang es, den Täter zu entwaffnen. Dieser flüchtet daraufhin in sein etwa zwei Kilometer entferntes Haus und nahm sich dort das Leben. Zuvor schoss der 78-Jährige noch auf die Polizei, die vor seinem Haus eintraf. Ein Schuss streifte einen Beamten. Die Einsatzkräfte stürmten kurz vor 18.00 Uhr das Haus, wo sie die Leiche und den kurzen Abschiedsbrief fanden.

Über das Motiv kann bisher nur spekuliert werden. Der Rentner war an Kehlkopfkrebs erkrankt. Ob die Erkrankung im Zusammenhang mit der Tat gestanden habe, sei aber noch unklar. Der Mann sei als "schwierig und zunehmend verwirrt" bezeichnet worden, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Er habe Nachbarn beschuldigt, "ihn durch Geräte zu bestrahlen". Der Staatsanwalt sprach von einer möglichen wahnhaften Persönlichkeitsstörung. Allerdings habe der Rentner ein "recht gutes Verhältnis" zu einem der Opfer gehabt.

In seinem Haus hatte der Mann ein kleines Waffenarsenal aufbewahrt. Fahnder fanden sechs Langwaffen und drei Pistolen bei dem Mann. Er habe nach ersten Erkenntnissen zwei Waffen versteckt mit in die Praxis gebracht, bevor er die tödlichen Schüsse abfeuerte. Die anderen Patienten, die im Wartezimmer gesessen hatten, hätten laut Polizei nicht bemerkt, dass der Rentner bewaffnet war - er habe sich lediglich über die lange Wartezeit echauffiert.

Bildquelle: dpa bildfunk