Amoklauf von Newtown: Opfervater rührt die Nation

"Emilie ließ die Sonne aufgehen"

In Newtown ringen die Menschen nach dem Amoklauf mit 27 Toten um Fassung - oder wachsen in ihrer schwersten Stunde über sich hinaus. Robbie Parker spricht mit bewegenden Worten über seine ermordete sechsjährige Tochter Emilie und lässt sie zum Sinnbild der Tragödie werden.

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Robbie Parker spricht mit bewegenden Worten über seine ermordete sechsjährige Tochter Emilie. © Reuters, HANDOUT

Das Bild des kleinen lächelnden Mädchens mit den blonden Haaren und den strahlend blauen Augen kennt in den USA inzwischen fast jeder. Ihr Vater Robbie Parker wandte sich an die Öffentlichkeit, obwohl er von Trauer überwältigt kaum sprechen konnte. "Sie war die Art von Mensch, der in einem Raum die Sonne aufgehen ließ", sagte der junge Mann mit von Trauer gezeichnetem Gesicht. "Sie ist ein unglaublicher Mensch, und ich bin gesegnet, dass ich ihr Vater sein darf."

"Es ist eine schreckliche Tragödie, und ich möchte, dass alle wissen, dass wir in unseren Herzen und Gebeten bei ihnen sind. Das gilt auch für die Familie des Schützen", so Parker. Die großherzige Geste hätte seine Tochter so gewollt. "Meine Tochter Emilie wäre eine der ersten, die all diesen Opfern ihre Liebe und Unterstützung geben würde." Aber Emilie wurde nur sechs Jahre alt.

Mit Emilie starben 19 Kinder. Sie hießen Charlotte, Daniel, Olivia, Ana, Dylan, Madeleine, Catherine, Chase, Jesse, Grace, James, Jack, Josephine, Caroline, Jessica, Avielle, Benjamin und Allison. Der jüngste von ihnen, der kleine Noah, feierte vor drei Wochen seinen sechsten Geburtstag.

Kirche nach Drohanruf geräumt

"Es ist das Schrecklichste, das ich in mehr als 30 Berufsjahren gesehen habe. Und für meine Kollegen gilt das gleiche", sagt Gerichtsmediziner Wayne Carver. In nüchtern-professionellen Worten erklärte er der entsetzten Öffentlichkeit, dass jedes der Kinder von mehreren Schüssen getroffen wurde. Teilweise fanden sich elf Einschusslöcher in den kleinen Körpern.

Der Täter hatte mit zwei Pistolen und einem Sturmgewehr geschossen. Der Nachbau der Standardwaffe der US-Streitkräfte kostet im Laden etwa 700 Dollar, gekauft hatte ihn die Mutter, genauso wie die beiden Pistolen. Die Frau wurde das erste Opfer ihres Sohnes.

In Newtown seien die Menschen "wie gelähmt", berichtete die Psychologin Jeannie Pasacreta. "Viele fühlen sich schuldig, weil sie schon den Weihnachtsschmuck an ihren Häusern hatten, der fröhlich blinkte, während ein paar Straßen weiter die Kinder starben."

Und die Menschen von Newtown kommen nicht zur Ruhe: Eine Kirche, die nur etwa einen Kilometer von der betroffenen Schule entfernt ist, musste aufgrund eines Drohanrufs geräumt werden. Ein Sprecher der Saint Rose of Lima-Kirche sagte, dass es eine Bedrohung durch einen Anrufer gegeben habe. Details nannte er nicht.

"Die Kirche war zu diesem Zeitpunkt voll besetzt, wie eigentlich immer seit dem Amoklauf", sagte Kirchensprecher Brian Wallis. "Alle Gläubigen haben das Gotteshaus ruhig und mit großen Verantwortungsbewusstsein geräumt. Ich kann jetzt beruhigt sagen, dass alle sicher zu Hause angekommen sind."