Amsterdam: Jugendliche Kicker prügeln Linienrichter zu Tode

Der Sohn musste alles mitansehen

Weil sie offenbar mit einer Entscheidung unzufrieden waren, haben in Amsterdam drei 15 und 16 Jahre alte Amateurfußballer einen ehrenamtlichen Linienrichter angegriffen. Mit Schlägen und Tritten gegen den Kopf fügten sie dem 41-jährigen Richard N. so schwere Hirnverletzungen zu, dass der Familienvater wenig später im Krankenhaus verstarb. Das teilte der Verein des Mannes, der SC Buitenboys, in Almere bei Amsterdam mit.

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Weil sie mit einer Entscheidung unzufrieden waren, verprügelten drei jugendliche Amateurfußballspieler ihren 41-jährigen Linienrichter so schwer, dass er seinen Hirnverletzungen erlag.
Sie waren mit einer Entscheidung unzufrieden: Drei 15- und 16-jährige Amateurfußballer prügelten einen 41 Jahre alten Linienrichter zu Tode.

Die 15- und 16-jährigen Täter wurden festgenommen und wegen Todschlags angeklagt worden. Noch diese Woche sollen sie dem Richter vorgeführt werden. Wie bekannt wurde galten die Spieler aus Nieuw-Sloten als aggressiv. Der Verein hatte deswegen schon eine Verwarnung erhalten.

Über den Tathergang teilte ein Polizeisprecher mit: "Er (Richard N.)flüchtete, doch die Jungs liefen ihm hinterher und misshandelten ihn weiter." Einige Stunden später sei der Linienrichter zusammengebrochen. Der Mann starb im Beisein seiner Familie.

Die Niederlande stehen nach dem Gewalt-Exzess unter Schock. Sportministerin Edith Schippers reagierte entsetzt. "Das hat nichts mit Sport zu tun und kann unter gar keinen Umständen toleriert werden", sagte sie im niederländischen Radio. Abgeordnete fast aller Parteien forderten ein hartes Durchgreifen gegen die Gewalt im Amateurfußball.

"In Amsterdam ist das bereits der zweite Tote in diesem Jahr durch Gewalt beim Amateurfußball. Das geht so nicht weiter", sagte der für Sport zuständige Beigeordnete von Amsterdam, Eric van den Burger im niederländischen Radio. Anfang des Jahres hatte ein 32 Jahre alter Spieler eines inzwischen aufgelösten Vereins einen 77 Jahre alten Zuschauer durch einen Karatetritt getötet.

Gewalt und Aggressionen sind auf niederländischen Fußballplätzen einer Studie zufolge oft Alltag. Der niederländische Fußballbund (KNVB) registrierte im vergangenen Jahr 873 Vorfälle - und das sollen nur die schlimmsten Attacken sein. 105 Mannschaften wurden aus den Ligen genommen, 74 Spieler lebenslang gesperrt. Vor allem Schieds- und Linienrichter seien - laut der Studie - zunehmend Opfer von Gewalt.

Deutschland: 'Sicherheits-Euro' gegen Gewalt in Stadien

Der Vorstand des Amsterdamer Vorortklubs Nieuw-Sloten bat bei der Familie des Opfers und den Mitgliedern des SC Buitenboys schriftlich um Vergebung. Die drei festgenommenen Spieler wurden sofort aus dem Verein ausgeschlossen. Sobald sie offiziell verurteilt sind, will der Klub für sie beim KNVB eine lebenslange Sperre beantragen.

Seine umstrittene Jugendmannschaft nahm der Verein vorerst aus der Liga. Aus Respekt vor den Angehörigen des Opfers werde am kommenden Wochenende auch keine andere Mannschaft des Vereins spielen, teilte der Amsterdamer Amateurclub SV Nieuw Sloten mit. "Vorläufig setzen wir alle Aktivitäten unseres Clubs aus", heißt es in der Erklärung.

Im Zuge der Sicherheitsdebatte im deutschen Profi-Fußball will Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier die Fans zur Kasse bitten. "Ich empfehle die Einführung eines Sicherheits-Euro durch die Vereine", sagte der CDU-Politiker der 'Bild'-Zeitung: "Das heißt: Jeder Fan bezahlt freiwillig einen Euro mehr, als die Karte normalerweise kostet. Dieser Euro geht dann in die Gewalt-Prävention oder wird benutzt als Unterstützung von Maßnahmen der Polizei." Der 60-Jährige sagte, er sei "zuversichtlich, dass die Fans das bezahlen würden". Zudem würden die Vereine nicht zusätzlich belastet werden.

In der Bundesliga stößt Bouffiers Idee auf wenig Gegenliebe. "Ich halte von diesem Vorschlag überhaupt nichts", sagte Martin Bader, Manager des 1. FC Nürnberg: "Populismus und Hysterie haben noch nie geholfen. Man sollte dieses Thema bei den Leuten belassen, wo es hingehört: bei der DFL und den Vereinen."

Horst Heldt, Manager von Schalke 04, fragte nach der Verhältnismäßigkeit solcher Extra-Kosten: "Müssten dann zukünftig bei jeder Demo, wie dem Castor-Transport, wo die Polizei im Einsatz ist, auch die Leute bezahlen?" Im Sicherheitspapier der Deutschen Fußball Liga (DFL), welches am 12. Dezember auf der Mitgliederversammlung in Frankfurt/Main auf den Weg gebracht werden soll, seien "Maßnahmen, die Investitionen in solche Institutionen beinhalten, die die Vereine zahlen", bereits enthalten.