Anders Breivik: Verrückt oder "total böse"?

Bereitete er das Attentat neun Jahre lang vor?

Sein Anwalt hält ihn für geisteskrank, der norwegische Geheimdienst für einen durch und durch bösen Täter mit Plan. Ob Anders Breivik zurechnungsfähig ist, sollen demnächst zwei Rechtspsychiater klären. Sicher ist offenbar, dass der 32-Jährige ein Einzeltäter ist - "ein einsamer Wolf“, wie die norwegische Geheimdienstchefin Janne Kristiansen erklärte.

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Geir Lippestad
Steht vor dem schwierigsten Fall seiner Karriere: Rechtsanwalt Geir Lippestad verteidigt Anders Breivik. © dpa, Berit Roald

Dem britischen Sender BBC sagte Kristiansen: "Ich begreife ihn als zurechnungsfähige Person, denn er hat sich für eine sehr lange Zeit auf eine Sache konzentrieren können.“ Breivik will den Bombenanschlag in Oslo und das Massaker auf der Insel Utøya über neun Jahre vorbereitet haben. Der rechtsradikale norwegische Attentäter wird nach seinen Anschlägen mit mindestens 76 Toten in der Haftanstalt Ila bei Sandvika westlich von Oslo festgehalten. Dabei soll er in einer sieben Quadratmeter kleinen Zelle rund um die Uhr überwacht werden, um einen Selbstmord auszuschließen.

Die Geheimdienstchefin glaubt nicht an die These von Breiviks Anwalt. Geir Lippestad behauptet, sein Mandant sei geisteskrank und eiskalt. "Er hat alles so richtig gemacht. Und nach meiner Erfahrung mit dieser Art Klienten sind sie völlig normal, auch wenn sie im Kopf ziemlich verquer sind. Und diese Person ist außerdem total böse“, so Kristiansen.

Breivik hat in einem Schützenclub trainiert

Lippestad zufolge lebt Breivik in seiner eigenen Welt: Der 32-Jährige glaube, er befinde sich in einem Krieg. "Und wenn du in einem Krieg bist, kannst du Dinge wie diese machen“, so Lippestad. "Er hat kein Mitgefühl mit den Opfern gezeigt.“ Eine Folge des Drogencocktails, den Breivik intus hatte? Vor dem Massaker hatte der Attentäter seine Sinne nach eigener Aussage mit einem auf Ephedrin basierenden Drogencocktail geschärft, um effizienter zu töten. Dass die Tat von langer Hand geplant war, zeigt auch das 1.500-seitige Internet-'Manifest’, in dem Breivik seinen Kampf gegen die drohende Islamisierung Europas erklärte.

Mit jedem Tag kommen neue, erschreckende Details über das Leben des 32-Jährigen an die Öffentlichkeit. Der Norweger hatte in einem Schützenclub trainiert. Auf seiner Internetseite teilte der Osloer Pistolenclub mit, dass Breivik von 2005 bis 2007 und erneut ab Juni 2010 Mitglied gewesen sei. Er habe an 13 Trainingseinheiten und einem Wettbewerb teilgenommen, hieß es. Auf seinem Biohof lagerte Breivik zudem großen Mengen Sprengstoff, den die Polizei kontrolliert explodieren ließ. Die Justiz erwägt, Breivik wegen Verbrechens gegen die Menschlichkeit anzuklagen - die Höchststrafe wäre 30 Jahre Haft.


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