Angela Merkel – von Kohls Mädchen zur mächtigsten Frau der Welt

17.07.2014 | 07:28
Angela Merkel und Hemlmut Kohl Ein Bild aus dem Jahr 1991: 'Kohls Mädchen' wurde Merkel damals genannt.

Lange unterschätzt

Wer hätte Anfang der 90er Jahre gedacht, dass diese unscheinbare Frau mit der wahrhaft unvorteilhaften Kurzhaarfrisur an der Seite von Helmut Kohl einmal die erste Bundeskanzlerin und laut dem Forbes-Magazin mächtigste Frau der Welt werden würde? Die wenigsten vermutlich. Denn Angela Merkel wurde lange Zeit völlig unterschätzt.

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Ihr, der Frau aus Ostdeutschland, fehlte so ziemlich alles, was erfolgreiche Politiker bis dato ausmachten: Eine Karriere in den westlichen Parteijugendorganisationen, ein großes Netzwerk und vor allem der geschulte Umgang mit den Medien. Sie brachte zudem Attribute mit, die in der CDU auf wenig Gegenliebe stießen: protestantisch, geschieden, ostdeutsch.

Merkel wurde zwar in Hamburg geboren, aber noch in ihrem Geburtsjahr 1954 siedelte ihre Familie in die DDR über. Ihr Vater war Pfarrer, der allerdings nicht in Opposition zum SED-Regime stand. Angela Merkel, damals noch Kasner, machte Abitur, studierte Physik. Auch während des Studiums blieb sie FDJ-Mitglied. "Das ist Teil meines Lebens, da habe ich nichts zu verbergen", wird Angela Merkel zu diesem Thema auf der CSU-Homepage zitiert. Vorgeworfen wird ihr, dass sie als Sekretärin für Agitation und Propaganda gearbeitet haben soll. Sie selbst spricht von "Kulturbeauftragte für unsere Gruppe an unserem Institut". Sie habe Theaterkarten besorgt und Vorträge organisiert.

Passionierte Köchin

Fakt ist: Angela Merkel gehörte nicht zur frühen Bürgerbewegung in der DDR, die den Umsturz mitgestaltete, sie gehörte nicht zur Opposition. Sie selbst schreibt dazu auf ihrer Homepage: "Ende 1989 bin ich dem Demokratischen Aufbruch beigetreten. Nach den ersten freien Volkskammerwahlen 1990 wurde ich zur stellvertretenden Regierungssprecherin der Regierung de Maizière ernannt“.

'Kohls Mädchen’ wurde Angela Merkel genannt, als sie 1994 von Helmut Kohl zur Ministerin für Frauen und Jugend und anschließend zur Ministerin für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit ernannt wurde. 'Kohls Mädchen’ – ein Ausdruck, der mehr als deutlich machte, wie sehr Angela Merkel damals von seiner Protektion abhängig war. Und doch war sie diejenige, die sich als erste klar und deutlich von Kohls Machenschaften in der Spendenaffäre distanzierte.

Sie überließ 2002 Edmund Stoiber den Vortritt bei der Kanzlerkandidatur. Nach dem Scheitern Stoibers kam dann ihre Chance: Sie übernahm den Vorsitz der CDU und den Vorsitz der gemeinsamen Bundestagsfraktion. 2005 trat sie dann gegen Gerhard Schröder an. Der Kanzler unterlag, Merkel wurde Kanzlerin einer großen Koalition.

In der letzten Legislaturperiode hatte die Kanzlerin kein leichtes Spiel: In der Euro-Krise wurde sie für viele Europäer zur Hassfigur, weil sie Merkel für den harten Sparkurs verantwortlich machten. Außerdem tanzten ihr die Minister auf der Nase herum: Erst Guttenberg, dann Röttgen und dann ihre Vertraute und mittlerweile Ex-Bildungsministerin Annette Schavan. Zu guter letzt dann noch ein Skandal um den Bundespräsidenten, und das Chaos war perfekt. Doch Merkel behielt wie gewohnt einen kühlen Kopf und führte ihre Koalition auch aus diesen Krisen.

Privat gibt sich die studierte und promovierte Physikerin gerne rustikal. Ihre freie Zeit verbringt sie in der Natur, bevorzugt in ihrer Heimat, der Uckermark. Auf ihrer Homepage beschreibt sie, dass sie samstags abends gerne mit ihrem zweiten Ehemann Joachim Sauer kocht. Auf den Tisch kommt dann Kartoffelsuppe, Schnitzel oder Forelle. Ihr größter Wunsch fürs Private: Einmal mit der Transsibirischen Eisenbahn von Moskau nach Wladiwostok. Dass sie in der Schule besonders in Russisch sehr gute Noten hatte, kommt ihr da sicher entgegen.

Bildquelle: deutsche presse agentur