Angestellte: Tankstellen sprechen Preise ab

Eine ehemalige Tankstellenangestellte berichtet

Kurz vor Feiertagen und Ferien steigen die Spritpreise an Tankstellen rapide - zum Ärger der Autofahrer. Doch werden wir an deutschen Tankstellen wirklich alle ganz mies abgezockt? Gibt es illegale Preisabsprachen und dadurch viel zu hohe Spritpreise? Eine ehemalige Tankstellenagestellte hat ausgepackt.

Neun Monate lang arbeitete Tamara Flickschuh aus Hildesheim als Aushilfe in einer Tankstelle. "Wir haben bei den anderen Tankstellen angerufen. Da hatten wir eine Liste im Computer mit den einzelnen Tankstellen und den einzelnen Preisen. Die haben wir dann eingegeben, haben sie hochgeschickt an unsere Zentrale und je nachdem, sind die Preise dann hoch oder runter gegangen", berichtete die Angestellte.

Eine regelmäßige Preisabsprache gehörte zu ihrem Job. Teilweise griffen sie und ihre Kollegen mehrmals täglich zum Hörer sagte sie, um die Preise der Konkurrenz auszuspionieren und diese an den Konzern weiter zu geben. "Es ist nicht verboten, die Preise des Wettbewerbers abzugucken und entsprechend seine Preise anzupassen“, erklärte Andreas Mundt vom Bundeskartellamt. "Was aber verboten ist, ist ein Wettbewerber über seine Preise oder gar über geplante Preiserhöhungen zu informieren“.

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Bundesverkehrsminister zieht Konsequenzen

Sogar bei den Tankstellen selber gab man zu, dass Preisabsprachen vorgenommen wurden. Dass die deutschen Autofahrer für Diesel und Benzin viel zu viel bezahlen, belegt zudem der aktuelle Untersuchungsbericht des Bundeskartellamtes. Doch die Ölmultis reden sich knallhart raus. "Wir haben so niedrige Preise: Da ist gar nichts mehr zu machen. Billiger geht es nicht", meinte Klaus Picard vom Mineralölwirtschaftsverband.

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer zieht aus der Tankstellen-Studie des Bundeskartellamtes Konsequenzen. Er will die bisherige Benzinpreispolitik der Ölmultis gesetzlich unterbinden. Der Minister ließ der 'Bild-Zeitung’ zufolge Sympathie für das sogenannte australische Modell erkennen. Demnach müssten höhere Kraftstoff-Preise vorher angekündigt werden und für 24 Stunden festbleiben. Dann wüssten die Autofahrer woran sie sind, sagte Ramsauer der Zeitung. Zudem könne damit der Domino-Effekt von Preiserhöhungen durchbrochen werden.


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