Anschlag in Lüttich: Vier Tote im Weihnachtstrubel

Tatort: Der Anschlag ereignete sich in unmittelbarer Nähe des Weihnachtsmarkts. Der Anschlag ereignete sich in unmittelbarer Nähe des Weihnachtsmarkts.

Auch zwei Jugendliche kommen ums Leben

Tödlicher Anschlag mitten im Weihnachtstreiben: Ein mit einem Schnellfeuergewehr und Handgranaten bewaffneter Mann hat nach offiziellen Angaben in Lüttich drei andere Menschen getötet und anschließend Selbstmord durch einen Kopfschuss verübt. Er tötete zwei 15 und 17 Jahre alte Jugendliche sowie eine 75-jährige Frau. Der 15-Jährige starb noch am Ort des Geschehens. Unter den Besuchern des Weihnachtsmarktes brach Panik aus.

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Die Zahl der Verletzten ist auf 123 Menschen gestiegen. Das berichtete die belgische Nachrichtenagentur Belga. Zuvor war von 75 verletzten Passanten die Rede gewesen. Einige davon schweben in Lebensgefahr. Darunter soll auch ein zweijähriges Mädchen sein, berichtete die Online-Ausgabe der belgischen Tageszeitung 'Le Soir'. Viele der Opfer seien von Geschossen oder Splittern verletzt worden, ein Großteil sei um die 20 Jahre alt, hieß es.

Das Attentat ereignete sich gegen Mittag auf einem zentralen Platz in der Innenstadt, gleich neben einem Weihnachtsmarkt. Dort hielten sich mehrere Tausend Menschen auf. Der Täter warf nach ersten Erkenntnissen mehrere Handgranaten auf eine Bushaltestelle, wo viele Menschen warteten, dann schoss der 33-Jährige auf die Wartenden.

Das belgische Fernsehen zeigte Bilder von Menschen, die voller Panik davonliefen und sich in Geschäfte flüchteten. Geschäftsleute verbarrikadierten ihre Läden. Nach Angaben von Ärzten hatten viele Opfer Projektile im Körper. "Wir sahen Menschen mit Einschüssen in Schultern und Händen", berichtete ein Journalist der Lokalzeitung 'La Meuse'. Passanten hätten vor Entsetzen geschrien.

Rätseln über das Motiv

Eine angebliche Verfolgungsjagd mit zwei weiteren Tätern dementierten die Justizbehörden. Es handele sich um einen Einzeltäter. Über das Motiv des 33 Jahre alten Mannes, der wegen Drogen- und Waffengeschäften vorbestraft und vor einem Jahr aus der Haft entlassen worden war, herrscht noch Unklarheit. Er war nach Angaben der belgischen Justiz am Morgen zur Polizei vorgeladen worden, zu dem Termin aber nicht erschienen.

"Er hat keinen terroristischen Hintergrund", sagte Staatsanwältin Daniele Reynders. Der Mann lebte ganz in der Nähe des Tatortes auf einem Campingplatz. Die Polizei untersuchte das Auto des Mannes auf Bomben und ließ es aus Sicherheitsgründen kontrolliert sprengen.

Die Situation in der Lütticher Innenstadt war nach etwa drei Stunden wieder unter Kontrolle. An der Versorgung der Verletzten beteiligten sich auch Rettungskräfte aus den Niederlanden. Lüttich liegt im Osten Belgiens, gut 40 Kilometer von Aachen entfernt.

Nach dem blutigen Anschlag herrscht in Belgien Trauer. Ministerpräsident Elio Di Rupo zeigte sich über die Tat entsetzt und reiste in die 90 Kilometer östlich von Brüssel gelegene Stadt, um seine Trauer und sein Mitgefühl zum Ausdruck zu bringen. Auch König Albert machte sich auf den Weg nach Lüttich. Außenminister Guido Westerwelle erklärte, die Bundesregierung trauere mit Belgien um die Opfer. Der Lütticher Bürgermeister Willy Demeyer sprach von einer "Einzeltat, die tiefe Betroffenheit im Herzen der Stadt gesät hat."

Bildquelle: dpa bildfunk