Anschlag mit Lieferwagen in London: Imam rettete Todesfahrer vor wütender Menschenmenge

London: Fahrzeug rast in Menschenmenge
London: Fahrzeug rast in Menschenmenge Vor Moschee 00:01:57
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Fahrer wurde durch Imam geschützt - und festgenommen

Nach dem Terroranschlag nahe einer Moschee in London wird ein Imam als Held gefeiert. Mohammed Mahmoud soll sich Augenzeugenberichten zufolge schützend vor den Terrorverdächtigen gestellt haben, der aus dem Lieferwagen gezerrt worden war. "Fasst ihn nicht an", habe er demnach Menschen entgegen gerufen, die sich wütend auf den Mann gestürzt hatten.

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"Gezielter Angriff auf unschuldige Menschen"

Der 47-jährige war von dem Iman und anderen Umstehenden festgehalten worden. Sie übergaben ihn später der Polizei. Toufik Kacimi, der Vorsitzende des Moscheevereins des Muslim Welfare House, vor dem der Anschlag stattfand, nannte den Imam später "Held des Tages".

Bei der Attacke mit einem Minivan sind mindestens zehn Menschen verletzt worden. Ein mann starb. Ob sein Tod vor Ort mit der Attacke in Verbindung steht, war zunächst unklar. Offenbar erhielt er bereits vor der Attacke erste Hilfe. Nach Polizeiangaben wurde der Todesfahrer in ein Krankenhaus gebracht, auch sein Geisteszustand werde überprüft. Augenzeugen berichteten, dass der Täter groß und hellhäutig sei. In einem Video, das die 'Sun' veröffentlich hat, ist zu sehen, wie zwei Männer den Tatverdächtigen auf den Boden drücken. Zuvor soll dieser gerufen haben: "Ich werde alle Muslime töten!" Laut dem britischen Sender 'BBC' soll es sich bei dem Tatverdächtigen um einen 47-Jährigen handeln. Der mutmaßliche angreifer Darren O. stammt demnach aus Cardiff und hat vier Kinder. 

Nach Angaben des Britischen Rats der Muslime ereignete sich der Vorfall vor einem muslimischen Gemeinschaftshaus in der Nähe einer Moschee im Stadtteil Finsbury Park - nicht direkt vor der Moschee, wie es der Rat zunächst mitgeteilt hatte. Aus seiner Sicht könnte es sich um einen gezielt gegen Muslime gerichteten Anschlag gehandelt haben. "Von den Augenzeugenberichten her scheint es, als wäre der Täter von Islamhass motiviert gewesen", schrieb der Rat am frühen Montagmorgen auf Twitter.

Auch der Londoner Bürgermeister Sadiq Khan geht bei dem Zwischenfall von einem terroristischen Hintergrund aus. "Die Londoner Polizei ist nach einem fürchterlichen Terroranschlag auf unschuldige Menschen in Finsbury Park im Einsatz", schrieb er auf Facebook. Die kompletten Details seien noch nicht bekannt, "aber das war klar ein gezielter Angriff auf unschuldige Londoner, von denen viele gerade die Gebete während des heiligen Monats Ramadan beendeten", schrieb Khan weiter.

Polizei: Opfer alle aus muslimischer Gemeinde

Tatsache ist, dass die Opfer der Attacke alle der muslimischen Gemeinde angehören, die nach dem Ende eines Gebets auf die Straße getreten waren. Das sagte Neil Basu von Scotland Yard vor Journalisten. Außer dem Fahrer gebe es keine weiteren Verdächtigen. Man habe auch keine Waffen wie etwa Messer bei dem Fahrer des Lastwagens gefunden. Medienberichten zufolge wollen Augenzeugen hingegen zwei Männer gesehen haben, die aus dem Minivan ausgestiegen seien, nachdem dieser in die Menschengruppe gefahren war.

Die britische Premierministerin Theresa May hat den Terroranschlag in London als "widerlich" verurteilt. Das Land werde sich durch die Tat aber nicht spalten lassen, sagte die Regierungschefin nach einer Krisensitzung. "Hass und Böses dieser Art werden niemals Erfolg haben", so May.

Auch außerhalb Großbritanniens löste die Attacke Entsetzen aus. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte in Berlin, es spreche einiges dafür, dass es eine "Tat aus blindem Hass" sei.

Acht Verletzte im Krankenhaus

Augenzeugen hatten den 48-jährigen Fahrer des Lieferwagens nach Polizeiangaben festgehalten, bis Beamte eintrafen und ihn festnahmen. Acht Verletzte wurden den Angaben zufolge in Krankenhäuser gebracht, zwei Leichtverletzte am Ort des Geschehens behandelt.

Die Polizei hatte gegen 00.20 Uhr (Ortszeit, 01.20 Uhr MESZ) die ersten Notrufe erhalten. Die Einsatzkräfte wurden daraufhin zum Ort des Geschehens in der Seven Sisters Road geschickt. Der Stadtteil Finsbury Park liegt nördlich des Zentrums von London.

Lieferwagen stammt aus Wales

dpatopbilder - Ein Lieferwagen steht am 19.06.2017 in London, Großbritannien, im Stadtteil Finsbury Park. Im Londoner Stadtteil Finsbury Park hat es nach Polizeiangaben einen schweren Zwischenfall mit einem Toten und zehn Verletzten gegeben. Der Lief
Dieser Lieferwagen raste nahe der Londoner Moschee in die Menschenmenge. © dpa, Joel Goodman, kno

Der bei dem Terroranschlag benutzte Lieferwagen stammt aus Wales. Er wurde von einer Firma in Pontyclun in der Nähe der walisischen Hauptstadt Cardiff ausgeliehen, sagte der Minister für Wales, Alun Cairns. Die Polizei in Südwales arbeite mit den Ermittlern von Scotland Yard zusammen.

Seit März war Großbritannien dreimal von Terroranschlägen erschüttert worden. In Manchester hatte ein Selbstmord-Attentäter Ende Mai nahe einem Pop-Konzert 22 Menschen getötet. In London töteten Terroristen im März und Anfang Juni insgesamt mindestens 13 Menschen. Die Londoner Polizei hatte nach den jüngsten Anschlägen mehr islamfeindliche Vorfälle registriert als üblich.


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