Antrittsbesuch in Berlin: Hollande besucht Merkel

15.05.2012 | 19:43
Antrittsbesuch in Berlin: Hollande besucht Merkel Direkt nach der Vereidigung in Paris: Hollande besucht die Kanzlerin in Berlin.

Sparpolitik im Mittelpunkt

Frankreich hat einen neuen Präsidenten: François Hollande wurde in Paris als neuer französischer Präsident vereidigt und ist nur wenige Stunden später nach Berlin gereist. Der Antrittsbesuch bei Bundeskanzerlin Angela Merkel (CDU) verzögerte sich jedoch, weil das Flugzeug des Präsident in einem Unwetter von einem Blitz getroffen wurde. Die Maschine kehrte daraufhin nach Paris um, Hollande hatte dann das Flugzeug gewechselt.

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Der schnelle Besuch soll das Fundament für eine enge Zusammenarbeit zwischen dem Sozialisten und Merkel legen, die im Wahlkampf noch Hollandes konservativen Konkurrenten Nicolas Sarkozy unterstützt hatte.

Hauptthema des Treffens dürfte dabei die Frage sein, wie die Sparpolitik in der EU durch eine Wachstumskomponente ergänzt werden kann. In seiner Antrittsrede bekräftigte Hollande nochmals seine Forderung nach einem Pakt mit seinen europäischen Partnern, der den Schuldenabbau mit der Wachstumsförderung verbindet. Hollande hatte bereits im Wahlkampf auf eine Änderung des Fiskalpakts gedrungen, was Merkel kategorisch ablehnt.

Ein weiteres kontroverses Thema des ersten Treffens beider Politiker könnte kurz vor dem Nato-Gipfel in Chicago die Afghanistan-Politik sein. Während die Kanzlerin am bisherigen Zeitplan festhalten will, der einen Abzug der Kampftruppen Ende 2014 vorsieht, hat der Sozialist im französischen Präsidentschafts-Wahlkampf versprochen, die gut 3.000 französischen Soldaten bereits bis Ende 2012 abzuziehen.

Merkel ahnt schon jetzt, dass es mit Hollande schwieriger wird, den Sparkurs fortzusetzen. Regierungssprecher Steffen Seibert (CDU) dämpft die Erwartungen: "Das ist ein erstes, ausführliches Kennenlerntreffen. Und ansonsten, glaube ich, wissen wir alle, welches die Themen sind, die Europa am meisten bewegen. Und ich nehme an, die kommen auch zur Sprache."

Erster sozialistischer Präsident seit 17 Jahren

Frankreichs scheidender Präsident Nicolas Sarkozy hatte zuvor seinen Nachfolger Hollande zur Amtsübergabe empfangen. Vor mehreren hundert Medienvertretern aus aller Welt wurde der Sozialist Hollande im Innenhof des Élysée von Sarkozy begrüßt. Beide zogen sich zunächst zu einer Unterredung zurück. Hollande erhielt dabei die Atomcodes für die Aktivierung der französischen Nuklear-Sprengkörper.

Nach Sarkozys Verabschiedung wurde er dann vor mehreren hundert Gästen ins Amt eingeführt. Mit Hollande hat Frankreich erstmals seit 17 Jahren wieder einen sozialistischen Präsidenten.

Bildquelle: deutsche presse agentur