AOK-Studie: Deutsche nehmen fast 50 Prozent mehr Medikamente

Jeder Versicherte erhält rund 1,5 Arzneimittel am Tag

Der Medikamentenkonsum der 70 Millionen gesetzlich Versicherten in Deutschland hat sich innerhalb von nur acht Jahren fast verdoppelt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO). Demnach haben die Versicherten 2012 insgesamt 633 Millionen Arzneimittelpackungen von niedergelassenen Ärzten verordnet bekommen. Das entspricht 37,9 Milliarden Tagesdosen. Im Vergleich zu 2004 ist der Medikamentenkonsum damit um 45 Prozent gestiegen.

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Deutsche nehmen immer mehr Medikamente.
Jeder Versicherte erhält rund 1,5 Arzneimittel am Tag. © dpa, Matthias Hiekel

"Rein rechnerisch nimmt damit jeder Versicherte Tag für Tag 1,5 Arzneimittel ein", heißt es in dem Bericht. "Dabei ist bekannt, dass der Arzneimittelverbrauch insbesondere bei älteren Menschen hoch ist und mit der Anzahl der Erkrankungen ansteigt. Außerdem haben Frauen generell einen um 20 Prozent höheren Verbrauch an Arzneimitteln als Männer", sagte Helmut Schröder, stellvertretender Geschäftsführer des WIdO.

Am häufigsten wurden Bluthochdruckmittel verordnet

Laut der Analyse wurden vor allem die großen Volkskrankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Magen-Darm-Erkrankungen oder Diabetes medikamentös therapiert: "So vereinigen die 20 meistverordneten Wirkstoffklassen mit ihren 841 einzelnen Wirkstoffen bzw. Wirkstoffkombinationen bereits mehr als 86 Prozent aller verordneten Tagesdosen." Allein 20,8 Prozent der im Jahr 2012 verordneten Tagesdosen wären auf die Bluthochdruckmittel mit ACE-Hemmern und Sartanen entfallen.

Laut der WIdO basieren ihre aktuellen Analysen "auf der Klassifikation der deutschen Arzneimittel mit Tagesdosen, die helfen, die Reichweite von Arzneimittelverordnungen zu analysieren." Dadurch könnten Experten aus Wissenschaft und Praxis herauszufinden, welche der knapp 68.000 verschiedenen verordneten Arzneimittelpackungen mit welchen der knapp 2.500 verschiedenen Wirkstoffen in welchen Mengen im Jahr 2012 verbraucht wurden.