App von US-Waffenlobby NRA: Schießübungen für Kinder

Kostenloser Schießstand

Virtuelles Ballern – auf dem PC, dem iPad oder Smartphone – ist nichts grundsätzlich Verwerfliches oder Unmoralisches. 'Ballerspiele' können überaus amüsant sein und unterschiedlich. Man kann kleine explosive Vögel auf Schweine loslassen ('Angry Birds') oder mit Erbsen auf Untote, die in den Garten eindringen, schießen ('Plants versus Zombies').

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Waffenlobby, NRA
Ein Haufen Waffen: Ergebnis eines 'Waffenrückkaufes' der Polizei von Los Angeles nach dem Massaker von Newtown. © REUTERS, DAVID MCNEW

Mit gesundem Menschenverstand sind solche Spiele allerdings auch nur sehr schwer ernst zu nehmen. Wer es realistischer mag, für den gibt es zum Beispiel die Jagd-Simulation 'High Caliber Hunting', für die Action Fans 'Battlefield: Bad Company 2'. Jedem also das Seine.

Vor kurzem wurde die reichhaltige Palette dieser Spiele durch ein neues bereichert, sein Name: 'NRA: Practice Range'. Die App ist kostenlos und der Name verrät schon die Krux des Spiels. Es kommt nicht etwa von einem der renommierten Games-Hersteller, die nicht nur auf Ego-Shooter oder andere Schießspiele setzen, es kommt direkt von der US-Waffenlobby, der National Rifle Association (NRA). Und das nicht einmal einen Monat nach dem Amoklauf von Newtown und mitten in der US-Debatte um ein schärferes Waffenrecht, das nach der neuesten Umfrage der 'Washington Post' mittlerweile 52 Prozent der US-Amerikaner befürworten.

Man will niemandem etwas Böses unterstellen oder Absicht vorwerfen, aber unter den Waffen, die in der App von vornherein dabei sind (andere Waffen können innerhalb der App für 99 Cent erworben werden), ist der Typ Waffe, den auch der Schütze von Newton benutzt hat, das halbautomatische Gewehr M16. Der Attentäter schoss mit einem Nachbau.

Mit diesem M16-Gewehr und zwei weiteren Waffen kann man auf Tontauben und Pappkameraden schießen, und deswegen ist das Spiel auch für Kinder ab vier erlaubt, da es keine 'anstößigen' ('objectionable') Darstellungen beinhaltet, die realistische Gewalt zeigt.

Hinweis auf den zweiten Verfassungszusatz

Anforderung des Spieles ist in kurzer Zeit so viel wie möglich so genau wie möglich zu treffen. Sein Ziel ist laut offizieller Beschreibung auf iTunes "Sicherheit, Training und Erziehung" unter Einbeziehung von "Informationen über das Waffengesetz", "Lehrmaterial" und natürlich dem Hinweis auf den zweiten Verfassungszusatz, das Recht auf das Tragen einer Waffe.

Unter anderem bekommt man Hinweise darauf, dass man vor oder während des Schießens besser auf den Konsum von Drogen und Alkohol verzichtet. Das Spiel will seinem Benutzer beibringen, wie man "sicher und verantwortungsvoll" mit einer Waffe umgeht, es hat das "richtige Gleichgewicht aus Spiel und Sicherheitserziehung".

Das klingt angesichts Qualität, geringer Abwechslung und Art des Spiels ein wenig übertrieben, wenn nicht unglaubwürdig. Die Veröffentlichung zu einem solchen Zeitpunkt jedoch ist mehr als fragwürdig und kaum anders als durch Lobbyismus zu erklären.