Arbeitgeber tricksen beim Mindestlohn: Jeder zweite Minijobber bekommt weniger

Die Hälfte aller Minijobber bekommt weniger
Die Hälfte aller Minijobber bekommt weniger Mindestlohn ist noch nicht überall angekommen 00:00:21
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Viele müssen für 450 Euro mehr arbeiten als vorgesehen

Trotz des gesetzlichen Mindestlohns schuften in Deutschland viele Arbeitgeber für einen mickrigen Hungerlohn. Millionen Minijobber werden mit deutlich weniger abgespeist, als ihnen zusteht. Das belegt eine Studie der Hans-Böckler-Stiftung. 

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Die steuerfreien 450-Euro-Jobs locken zahlreiche Arbeitnehmer, doch offenbar müssen viele deutlich mehr Stunden arbeiten als gesetzlich vorgesehen, um diesen Betrag am Ende des Monats auch auf ihrem Konto zu sehen. Arbeitgeber versuchen offenbar immer wieder, den Mindestlohn zu umgehen.

Jeder fünfte Minijobber bekommt weniger als 5,50 Euro

In Deutschland gibt es laut der Bundesagentur für Arbeit rund 7,4 Millionen geringfügig Beschäftigte. Jeder zweite von ihnen wurde 2015 nicht nach Mindestlohn bezahlt, sondern erhielt weniger als die damals vorgeschriebenen 8,50 Euro brutto. Inzwischen wurde der gesetzliche Mindestlohn auf 8,84 angehoben. 2014, bevor der Mindestlohn eingeführt wurde, hatten noch 60 Prozent der Minijobber weniger als 8,50 Euro pro Stunde verdient.

Die Gesetzesänderung brachte also nur eine leichte Verbesserung. Viele Verträge - vor allem in der Gastronomie und im Einzelhandel - wurden trotzdem nicht angepasst. Noch immer muss jeder fünfte Minijobber mit weniger als 5,50 Euro pro Stunde nach Hause gehen. Für die Studie wurden die Daten mehrerer Tausend Minijobber von 2015 erhoben. Aktuellere Zahlen liegen laut der Forscher noch nicht vor.

Auf dem Papier sieht alles sauber aus

Offenbar tricksen einige Arbeitgebern gerne ein wenig, um Geld zu sparen. Auf dem Papier sieht alles sauber aus, doch in der Realität müssen die Mitarbeiter viel länger arbeiten und erhalten am Monatsende trotzdem nur 450 Euro.

Viele nutzen wohl auch die Unwissenheit ihrer Mitarbeiter aus. Ein Sprecher der Minijob-Zentrale empfahl allen Minijobbern, sich besser über ihre Rechte zu informieren. "Mindestlohn, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und Urlaubsgeld gelten auch für Minijobber", sagte er. Stefan Körzell vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) sagte der 'Süddeustchen Zeitung', Arbeitnehmer sollten ihre tatsächliche Arbeitszeit dokumentieren und von Kollegen bezeugen lassen, um ihre Ansprüche geltend zu machen. Auch bis zu drei Jahre rückwirkend könnten Arbeitgeber noch verklagt werden. Es lohnt sich also, das Monatsgehalt gegen die tatsächlich gearbeitete Stundenzahl aufzurechnen.

"Bei der Durchsetzung des gesetzlichen Mindestlohns gibt es nach wie vor erhebliche Lücken", meinen auch die Autoren der Studie. Sie fordern strengere staatliche Kontrollen, um den Mindestlohn für alle Arbeitnehmer durchzusetzen.