Armutsbericht 2011: Kritik an deutscher Sozialpolitik

Armutsbericht 2011: Kritik an deutscher Sozialpolitik Um die Armut in Deutschland bekämpfen zu können, könnten die Hartz IV-Regelsätze angehoben werden.

Rund 12 Millionen Menschen armutsgefährdet

Eine Verfestigung der Armut auf Rekordniveau: Davor warnt der Paritätische Wohlfahrtsverband in seinem Armutsbericht 2011. Scharfe Kritik übt der Verband an der Sozialpolitik der Bundesregierung. Er fordert die Bundesregierung zu einer rigorosen armutspolitischen Kehrtwende auf.

- Anzeige -

Rund 12 Millionen Menschen sind laut dem Bericht in Deutschland armutsgefährdet - das sind 14,5 Prozent der Bevölkerung. Generell gilt als arm, wer weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens zur Verfügung hat. Alarmierend sei, dass auch in Jahren mit starkem Wirtschaftswachstum wie 2006, 2007 oder 2010 die Armut nicht zurückgegangen sei. "Es handelt sich um eine Verhärtung der Armut auf sehr hohem Niveau", stellt Hauptgeschäftsführer Ulrich Schneider fest. "Wo die Wirtschaft nicht für sozialen Ausgleich sorgt, ist die Politik gefordert."

Ruhrgebiet besonders betroffen

Generell gibt es in Ostdeutschland nach wie vor mehr Armut als im Westen, aber in Brandenburg und Thüringen haben die Forscher in den vergangenen sechs Jahren einen positiven Trend ausgemacht. Nach der Studie, die den Zeitraum von 2005 bis 2010 umfasst, zeigen insbesondere die Bundesländer Berlin und Nordrhein-Westfalen einen starken Negativtrend. Besonders besorgniserregend sei die negative Entwicklung im Ruhrgebiet. Sehr hohe Armutsquoten mit seit Jahren steigender Tendenz im größten Ballungsgebiet Deutschlands müssten in der Politik sämtliche Alarmglocken läuten lassen. "Wenn dieser Kessel mit fünf Millionen Menschen einmal zu kochen anfängt, dürfte es schwer fallen, ihn wieder abzukühlen", warnt Schneider. Wer die Armut glaubhaft bekämpfen wolle, müsse die Regelsätze in Hartz IV erhöhen, den öffentlich geförderten Beschäftigungssektor ausbauen, die Bildungschancen benachteiligter Kinder und Jugendlicher sichern und der drohenden Altersarmut vorbeugen.

Zur Finanzierung dieser Reformen dürfe die Regierung nicht länger vor der Verteilungsfrage zurückschrecken. "Es wird Zeit, nicht nur die Armut, sondern auch den Reichtum in Deutschland zu enttabuisieren", so Schneider. Der Verband fordert eine deutlich stärkere Besteuerung von großen Erbschaften, Vermögen sowie hohen Einkommen.

Bildquelle: deutsche presse agentur