Ärzte drängen IGeL-Leistungen auf: Patienten beschweren sich

"Patienten sind keine Kunden, Ärzte sind keine Verkäufer"

Wollen sie wirklich helfen oder viel eher verkaufen? Deutsche Ärzte geraten zunehmend in die Kritik ihren Patienten immer häufiger kostenpflichtige Zusatzleistungen wie beispielsweise Bach-Blütentherapien, professionelle Zahnreinigungen oder Test zur Früherkennung von grünem Star anzudrehen. Dabei sind viele dieser Individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL) häufig nicht nur überflüssig, sondern sogar gesundheitsschädigend.

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Immer mehr Patienten beschweren sich, Ärzte würden ihnen Zusatzleistungen aufdrängen.
"Patienten sind keine Kunden, Ärzte sind keine Verkäufer", mahnte einst der verstorbene Ärztepräsident Prof. Hoppe. Trotzdem häufen sich Beschwerden über aufgedrängte IGeL-Leistungen. © dpa, Tobias Hase

So stellte der Verband der Ersatzkassen in einer Analyse ihres Internetportals zur Ärztebewertung fest, dass 9,5 Prozent der Menschen die Freitextfelder nutzen, um sich zum Thema IGeL zu äußern. "Die Menschen beschäftigen sich also schon sehr mit dem Thema IGeL, sie werden des Öfteren mit dem Thema konfrontiert und ärgern sich häufig darüber", bestätigte Pressesprecherin Michaela Gottfried RTLaktuell.de.

Der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) stellte indes fest, dass zwölf von 30 untersuchten Selbstzahlerleistungen schädlich waren. Bei elf weiteren war die Wirkung unklar. Angeboten wurden und werden sie trotzdem. Dabei mahnte bereits der verstorbene Ärztepräsident Prof. Hoppe in einem Interview mit amPuls-Online: "Patienten sind keine Kunden, Ärzte sind keine Verkäufer und die Patient-Arzt-Beziehung ist keine Geschäftsbeziehung."

"Achtung! Arzt versucht individuelle Gesundheitsleistungen zu verkaufen"

Die User scheint das Aufdrängen von IGeL-Leistungen dabei massiv zu stören. So warnen sie vor Ärzten, die nur der Verkauf zu interessieren scheint. "Absolut nicht zu empfehlen", schreibt ein Patient. "Leider großer IGeL-Markt", bewertet ein anderer. "Aggressiver Angebot an IGeL-Leistungen, erhalten Vorrang in der Vorsorge" beschwert sich ein Dritter. Und mit seiner Behauptung steht er nicht alleine da. "Leider wurden mir wiederholt IGeL-Leistungen fast aufgedrängt, Ablehnen wurde kaum akzeptiert", äußert ein weiterer User.

Einige Ärzte scheinen es in den Augen ihrer Patienten auf die Spitze zu treiben. So ist die Untersuchung oft knapp, stattdessen wird erst mal eine Zusatzleistung angeboten. Ein User beklagt, dass es im Wartezimmer sogar einen Werbemonitor gebe. Ein anderer warnt ganz konkret: "Achtung! Arzt versucht individuelle Gesundheitsleistungen zu verkaufen und verschleiert dabei die zu erwartenden Kosten."

Die Ärzte stehen in der Kritik, aber es gibt auch Positiv-Beispiele. So beschreibt ein User seinen Arzt als "nicht IGeL-geil". Wer nicht abzockt, den Patienten die Entscheidung überlässt und die Leistungen – wenn überhaupt – zu einem guten Preis-Leistungsverhältnis anbietet wird gelobt. "Es gibt sie also doch!", freut sich ein Patient. "Ärzte, die ihre Patienten und Krankheiten ernst nehmen und nicht versuchen mit sogenannten IGeL-Leistungen den max. Profit aus einem Patienten herauszuholen."