Ärzte-Organisation: Gesundheitliche Folgen des Super-GAUs in Fukushima größer als gedacht

07.03.2013 | 12:30
Fukushima Spätfolgen Krebsrisiko erhöht WHO IPPNW Die Menschen in Japan leiden unter den Spätfolgen des Super-GAUs.

Über 100.000 Krebserkrankungen durch Strahlung?

Welche Spätfolgen hat die Reaktor-Katastrophe von Fukushima? Offenbar größere als bisher angenommen, ist sich eine Ärzte-Organisation zwei Jahre nach dem GAU sicher. Das Krebsrisiko in Japan sei stark gestiegen. Besonders betroffen sind offenbar Kinder.

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Kurz vor dem zweiten Jahrestag der Reaktorkatastrophe von Fukushima hat die Organisation 'Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges' (IPPNW) einen neuen Bericht vorgelegt. "Drei verschiedenen Abschätzungen und neuesten Erkenntnissen zufolge wird es allein durch die äußere Strahlenbelastung 40.000 bis 80.000 zusätzliche Krebsfälle geben", sagte der Arzt Henrik Paulitz. Außerdem erwarten die Mediziner noch gut 37.000 zusätzliche Krebserkrankungen durch strahlenbelastete Nahrungsmittel.

Besonders von den Auswirkungen betroffen sind Kinder. Allein in der Umgebung des Kraftwerkes weisen laut 'Ärzte-Zeitung' rund 55.000 Kinder als Krebsvorstufen anzusehende Veränderungen der Schilddrüse auf. Diese Folgen für Ungeborene, Babys und Kleinkinder seien bisher dramatisch unterschätzt worden, kritisieren die Ärzte. "Es ist anzunehmen, dass viele Embryonen in sehr frühen Phasen strahlenbedingt abgestorben sind", sagte IPPNW-Vorsitzender Dr. Winfrid Eisenberg. Demnach habe es genau neun Monate nach dem Unglück 4.362 Geburten weniger gegeben, als die japanischen Statistiker erwartet hatten.

Kritik an WHO: "Verharmlosungstendenz" bei Untersuchungen

Die Kritik der IPPNW geht auch in Richtung der Weltgesundheitsorganisation WHO. Ihre verharmlosende Bewertung der Katastrophe sei aus wissenschaftlicher Sicht nicht akzeptabel. Die WHO hatte in ihrer vorgelegten Prognose nur von einem "leicht erhöhten Krebsrisiko" gesprochen. Geringe zusätzliche Gesundheitsrisiken gebe es vor allem in einem Radius von bis zu 20 Kilometern um das Werk.

Dennoch gab die WHO über einige unmittelbar verstrahlte Orte hinaus Entwarnung, da umfangreiche Untersuchungen internationaler Experten gezeigt hätten, dass die "vorhergesagten Risiken für die allgemeine Bevölkerung innerhalb und außerhalb Japans niedrig und keine messbaren Steigerungen der Krebsraten über das Basisniveau hinaus zu erwarten sind". Laut IPPNW gehe die WHO von fehlerhaften Annahmen aus und nehme "lediglich ausgewählte Gebiete in der Präfektur Fukushima in den Blick".

Grund für diese "Verharmlosungstendenz", so die Ärzte, sei eine Vereinbarung, die die WHO schon 1959 mit der Internationalen Atomenergie-Organisation IAEA getroffen habe. Demnach darf die Weltgesundheitsorganisation zu Strahlenfolgen nichts ohne Zustimmung der IAEA veröffentlichen, die als Atomenergie-freundlich gilt.

Bildquelle: dpa bildfunk