Ärztehonorare: Letzte Chance auf Einigung

09.10.2012 | 10:25
Ärzte, Honorar, Proteste Die Ärzte drohen mit Streiks ab Mittwoch, falls es nicht zu einem für sie akzeptablen Resultat kommt.

Es drohen Streiks ab Mittwoch

Im Honorarstreit zwischen Ärzten und Krankenkassen bietet ein Schlichtungstermin heute die letzte Chance, einen Mediziner-Streik abzuwenden. Vertreter beider Seiten kommen am Nachmittag in Berlin zusammen, um erneut über eine Einigung zu beraten. Falls es nicht zu einem für sie akzeptablen Resultat kommt, haben die rund 150.000 Kassenärzte bereits für Mittwoch Protestaktionen und Praxisschließungen in mehr als 30 Städten angekündigt.

- Anzeige -

Das bisherige Schlichtungsergebnis von Ende August sieht für die niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten ein Plus von 270 Millionen Euro im kommenden Jahr vor. Die Mediziner hatten ursprünglich 3,5 Milliarden Euro gefordert. Ein Kompromissangebot mit einem Zuwachs um rund eine Milliarde Euro lehnte die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) als Mogelpackung ab.

"Wir werden auch einen Schlichterspruch gegen die Interessen der Ärzteschaft - und damit auch gegen eine Verschlechterung der ambulanten Versorgung unserer Patienten und Patientinnen - nicht akzeptieren", kündigte der Sprecher der Ärzteverbände-Allianz, Dirk Heinrich, an. "Wir stellen uns auf einen langen Kampf ein, denn es geht hier um mehr als das Honorar." Die Krankenkassen mutieren nach seinen Worten "zu Sparkassen, weit weg von der medizinischen Versorgung in den Praxen und den gesundheitlichen Bedürfnissen ihrer Versicherten". Deshalb stellten die Ärzte inzwischen das ganze System in Frage.

Keine Unterstützung seitens der Bürger

Das Klima zwischen der KBV und dem Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) hat sich erheblich verschlechtert. Die Mediziner werfen den Kassen vor, mit Auftragsstudien bewusst Stimmung gegen sie gemacht zu haben. In einer Urabstimmung hatte sich daher vor einigen Wochen eine Mehrheit für Praxisschließungen und Protestmaßnahmen ausgesprochen. Wegen der neuen Verhandlungen war der Beginn der Aktionen jedoch vertagt worden.

Das monatliche Nettoeinkommen der Kassenärzte beträgt laut KBV nach jüngsten Zahlen durchschnittlich 5.442 Euro. Die Ausgaben der gesetzlichen Kassen für die Vergütung der Vertragsärzte stiegen von 33 Milliarden Euro 2010 auf 33,7 Milliarden im vergangenen Jahr.

Die Forderung nach mehr Geld findet laut einer Umfrage indes kaum Unterstützung bei den Bürgern. Nur sechs Prozent sind dafür, ermittelte Infratest dimap im Auftrag der ARD. Mit den Milliardenüberschüssen der Krankenkassen will die Mehrheit der Befragten lieber die Patienten entlasten. 39 Prozent stimmten für die Abschaffung der Praxisgebühr. Mehr als ein Drittel will den Kassen die Überschüsse als Polster für magere Jahre lassen.

Bildquelle: dpa bildfunk