Asiatische Buschmücke erobert Deutschland – Angst vor exotischen Krankheiten

20.11.2012 | 15:21
Forscher haben in Deutschland eine größere Population der Asiatischen Buschmücke entdeckt, die als besonders aggressiv und Überträgerin des West-Nil-Virus bekannt ist. So sieht die Asiatische Buschmücke aus: Sie verbreitet sich vermehrt in Deutschland und kann exotische Krankheiten wie den West-Nil-Virus übertragen.

Tiere übertragen gefährliche Viren

Im Zuge des Klimawandels erobern exotische Insekten-Arten zunehmend Deutschland als Lebensraum. Die Angst vor Mückenstichen wächst – denn die Tiere können Überträger seltener Krankheiten sein. So auch die Asiatische Buschmücke, die Erreger wie das West-Nil-Virus übertragen kann. Sie brütet mittlerweile in größerem Umfang in Deutschland als bislang belegt.

- Anzeige -

Forscher haben eine größere Population der Mücke Buschmücke 'Aedes japonicus' im Süden von Nordrhein-Westfalen und im Norden von Rheinland-Pfalz nachgewiesen. Das betroffene Gebiet umfasst rund 2.000 Quadratkilometer zwischen Köln und Koblenz.

Die Mücke sei nicht nur besonders aggressiv, sondern zudem als Überträger des auch Menschen krankmachenden West-Nil-Virus und möglicherweise anderer Viren bekannt, teilte das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) mit. Bislang wurde sie im südlichen Baden-Württemberg, in der Nordschweiz und lokal in Belgien nachgewiesen. Das FLI hatte die Untersuchungen zusammen mit dem Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) durchgeführt.

"Der Fund war absolut überraschend", sagte der Leiter des FLI-Labors für Entomologie (Insektenkunde), Helge Kampen. "Wir haben es in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz mit einer größeren und offenbar isolierten Population zu tun."

Auf die Spur der Buschmücke waren die Forscher gekommen, weil fünf Einwohner des Großraums Bonn im Juli 2012 unabhängig voneinander sieben Exemplare an das Online-Projekt 'Mückenatlas' gesandt hatten – gestartet von FLI und ZALF um die Ausbreitung exotischer Mücken besser beurteilen zu können.

Die Forscher besuchten im August die Einsender und fanden in 36 von 123 begutachteten Ortschaften Exemplare der Asiatischen Buschmücke. Angesichts der Größe des Ausbreitungsgebietes leben die Tiere nach Einschätzung Kampens nicht erst seit diesem Jahr in der Region. "Wir müssen davon ausgehen, dass die Eier in der Lage sind, den Winter zu überstehen."

Wissenschaftler warnen vor Panikmache

Hobbyjäger haben insgesamt 1.724 Einsendungen an die Forscher des Projekts 'Mückenatlas' geschickt, von denen 850 bislang ausgewertet wurden. In knapp 600 Einsendungen befanden sich Stechmücken. In Deutschland leben den Angaben zufolge 49 Stechmückenarten.

Gründe für die zunehmende Verbreitung exotischer Mücken in Deutschland sei neben dem Handel mit Asien und Reisen in die Region auch der Klimawandel, berichtet Süddeutsche.de. "Weil das Klima wärmer und feuchter wird, fühlen sich die fremden Mücken bei uns wohler", erklärt der Parasitologe Sven Klimpel der Zeitung.

Obwohl die Buschmücke als Überträger des West-Nil-Virus, möglicherweise auch des Erregers des Dengue-Fiebers und des Chikungunya-Fiebers infrage kommt, warnen die Wissenschaftler vor Panikmache. Die Asiatische Buschmücke sei als Krankheitsüberträger nicht so effektiv wie die weitaus gefährlichere Asiatische Tigermücke.

Die Hürde einer Übertragung ist zudem an mehrere Voraussetzungen gekoppelt: Die Mücke müsse zunächst einen bereits Infizierten stechen. Dabei müssten Mücken und der Betroffene im richtigen Stadium aufeinandertreffen. Vor allem müsse die Mücke lange genug leben, damit sich der Erreger in ihr vermehren und dann an andere Menschen weitergegeben werden könne.

Bildquelle: dpa bildfunk