Asylbewerber startet durch: Fraols Holjiras Lauf in ein neues Leben

Das enge Asylbewerberheim ist Geschichte

Aus purer Langeweile entsteht manchmal Großes. Weil der Alltag in seinem Asylbewerberheim so eintönig ist, beginnt ein junger Äthiopier kurzerhand zu laufen - jeden Tag stundenlang durch die Wälder im mittelfränkischen Greding. Und dort wird er eines Tages entdeckt.

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Asylbewerber startet durch: Fraols Holjiras Lauf in ein neues Leben
Fraol träumt von einer Teilnahme an den Olympischen Spielen

Der örtliche Laufverein fördert den 21-Jährigen: Er bekommt Schuhe und Kleidung, geht bei kleinen Wettbewerben an den Start und gewinnt. Die Sportlerszene staunt und hat jetzt Großes mit Fraol Holjira vor.

"Ich war sehr beeindruckt von seinem Laufstil. War sehr schön anzuschauen, da hab ich schon gemerkt, da steckt mehr dahinter. Ich habe einmal mit ihm trainiert, da war ich dann zwei Wochen krank danach. Da hab ich schon gewusst: Das Tempo ist nichts mehr für mich", so Thomas Frank, Fraols Freund und Entdecker.

Die schicksalhafte Begegnung zwischen Thomas Frank vom TSV Greding und dem jungen Asylbewerber aus Äthiopien – sie liegt fast ein Jahr zurück. Seitdem hat sich das Leben des talentierten Mannes mit dem ansteckenden Lachen grundlegend verändert.

Er wohnt jetzt mit seinem Kumpel Toni in einer 'Läufer-WG' - das enge Asylbewerberheim ist Geschichte. Es gibt sogar wieder Platz für die ganz großen Träume: Fraol träumt von einer Teilnahme an den Olympischen Spielen. "Bisher habe ich immer für mich selbst trainiert, aber jetzt habe ich einen professionellen Trainingsplan bekommen und den will ich durchziehen", erzählt er.

Traum von der Teilnahme an den Olympischen Spielen

Die perfekte Läuferfigur gepaart mit Training nach System und mit Struktur, so schleift man einen Rohdiamanten, sagt Fraols Trainingspartner Sven Ehrhardt. "Wir sind im August das erste Mal gegeneinander gelaufen. Es war sein erster Lauf. Damals war ich irrtümlicherweise davon überzeugt, dass ich das Rennen gewonnen habe, aber dann wurde ich aufgeklärt, dass es da einen Schwarzen gab, der drei Minuten vor mir ins Ziel gekommen ist, den wir wohl irgendwie übersehen haben müssen im Startgetümmel." Übersehen wird Fraol Holjira mittlerweile nicht mehr.

Beim Halbmarathon im mittelfränkischen Hilpoltstein hängt der 21-Jährige die Konkurrenz regelrecht ab. Überregionale Wettkämpfe sind jetzt das nächste Ziel. Ob Fraol in Deutschland bleiben darf, ist noch nicht geklärt. Trotzdem will er einfach weiterlaufen für ein neues, besseres Leben.


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