Atomstreit eskaliert: Nordkorea unternimmt neuen Atomtest

12.02.2013 | 18:29
Atomstreit eskaliert: Nordkorea unternimmt neuen Atomtest Das südkoreanische Fernsehen berichtet über das Epizentrum der gemessenen Erdstöße.

USA wollen Sanktionen weiter verschärfen

Eskalation im Atomstreit mit Nordkorea: Trotz internationaler Warnungen hat das kommunistische Land seinen bislang größten Atomtest unternommen und damit weltweit Sorge um den Frieden in der Region ausgelöst. Der UN-Sicherheitsrat verurteilte die Aktion scharf.

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Der jüngste Atomtest verletze gleich mehrere Resolutionen des Gremiums und sei eine Bedrohung für Frieden und Sicherheit der Welt, teilte der Rat nach einer kurzfristig einberufenen Sondersitzung in New York mit. "Dieser Test war eine extrem bedauerliche Handlung", sagte die amerikanische UN-Botschafterin Susan Rice. "Mit seinem unklugen Streben nach Massenvernichtungswaffen hat Nordkorea sein Volk immer weiter isoliert und in die Armut getrieben."

Das mächtigste UN-Gremium kündigte an, sofort mit der Arbeit an einer neuen Resolution zu beginnen, die angemessene Maßnahmen beinhalten werde. Die Antwort werde "rasch, glaubhaft und stark" ausfallen, sagte Rice. "Wir beabsichtigen, die Sanktionen weiter auszuweiten." Erst im Januar hatte der Rat mit einer Resolution die bereits bestehenden Sanktionen gegen Nordkorea weiter verschärft.

Bei dem Test sei ein "verkleinerter und leichterer Sprengsatz mit größerer Explosivkraft" gezündet worden, berichteten die Staatsmedien des kommunistischen Landes. Der Test sei "sicher und perfekt" ausgeführt worden. Er diene dem Schutz der nationalen Sicherheit.

Ein Sprecher des Südkoreanischen Verteidigungsministeriums bestätigte in Seoul, dass im Nordosten Nordkoreas Erdstöße registriert worden seien, die auf einen unterirdischen Nukleartest hinwiesen. Südkorea und Japan beriefen ihre nationalen Sicherheitsräte ein.

Südkoreas Verteidigungsministeriums erklärte, der Test könnte eine Sprengkraft von sechs bis sieben Kilotonnen TNT gehabt haben. Dagegen errechnete die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe in Haidmühle in Bayern anhand der Messungen der Erschütterungen auf der Richterskala eine Ladungsstärke von 40 Kilotonnen TNT-Äquivalent. Zum Vergleich: Die Bombe, die 1945 über Hiroshima gezündet worden war, hatte eine Sprengkraft von 13 bis 16 Kilotonnen TNT.

Nordkorea ließ dem neuesten Atomtest weitere Drohgebärden folgen. Der dritte Nukleartest sei ein resoluter Schritt für die Selbstverteidigung gewesen, um mit der "feindseligen Aktion" der USA umzugehen, hieß es in einer von den Staatsmedien veröffentlichten Erklärung des Außenministeriums in Pjöngjang. Der Test sei nur eine "erste Gegenmaßnahme" gewesen. Sollten die USA ihr "feindseliges Vorgehen gegen die Volksrepublik zum Ende treiben (...), wird sie keine andere Wahl haben, zweite und dritte, stärkere Schritte in Folge zu unternehmen".

Wie die Maßnahmen aussehen könnten, wurde nicht genannt. Bereits zuvor hatte der staatliche Geheimdienst (NIS) in Südkorea bei einem Treffen mit Abgeordneten in Seoul die Befürchtung geäußert, Nordkorea könnte im Falle einer neuen Bestrafung durch den UN-Sicherheitsrat einen weiteren Nukleartest folgen lassen. Nordkoreas Außenministerium warf den USA vor, das Recht des Landes auf Satellitenstarts zu beschneiden. Der UN-Sicherheitsrat hatte wegen eines umstrittenen nordkoreanischen Raketenstarts im Dezember die Sanktionen gegen Pjöngjang ausgeweitet. Nordkorea spricht von einem Satellitenstart. Die USA und Südkorea sehen darin aber einen verdeckten Waffentest im Rahmen des Atomprogramms Nordkoreas.

Mit dem dritten Test nach 2006 und 2009 könnte Nordkorea nach Meinung von Beobachtern seinem Ziel näher gekommen sein, einen Sprengkopf zu bauen, der auf einer Rakete installiert werden kann. Bisher ging man in Südkorea und den USA davon aus, dass Nordkorea diese Technologie noch nicht beherrscht.

Obama: Stabilität in der Region gefährdet

US-Präsident Barack Obama verurteilte den neuen Atomtest Nordkoreas als extrem provokativen Akt. Er gefährde die Stabilität in der Region. Das nordkoreanische Atomprogramm sei zudem eine Bedrohung der Sicherheit der USA und der ganzen Welt. "Die USA werden weiterhin alle Schritte unternehmen, die notwendig sind, uns und unsere Verbündeten zu verteidigen", erklärte der Präsident.

Auch Russland verurteilte den nordkoreanischen Atomtest entschieden. Er sei eine Verletzung der internationalen Verpflichtungen des Landes, zitierte die Agentur Interfax aus Kreisen des Außenministeriums. Selbst aus China kommt Kritik. China forderte Pjöngjang auf, sich an seine internationalen Verpflichtungen zu halten.

In New York erklärte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon, der Test sei eine klare und schwerwiegende Verletzung bestehender UN-Resolutionen. Es sei bedauerlich, dass Nordkorea die internationalen Appelle ignoriert habe, derartige provokative Akte zu unterlassen.

Nach südkoreanischen Angaben erreichte das "künstliche" Beben in Nordkorea um etwa 12.00 Uhr Ortszeit (4.00 MEZ) eine Stärke von 4,9. Auch die US-Erdbebenwarte berichtete von einem solchen Beben. In dem Gebiet befindet sich das Atomtestgelände, auf dem Nordkorea bereits 2006 und 2009 unterirdisch nukleare Sprengladungen gezündet hatte.

Nordkorea hatte einen neuen Atomtest und weitere Raketentests im Januar aus Protest gegen die Ausweitung von UN-Sanktionen angekündigt. Ein Zeitrahmen dafür war aber nicht genannt worden. Der Weltsicherheitsrat hatte mit den verschärften Sanktionen auf einen nordkoreanischen Raketenstart im Dezember reagiert.

Auch die Internationale Atomenergiebehörde IAEA hat den nordkoreanischen Atomtest verurteilt. "Das ist zutiefst bedauerlich und eine klare Verletzung der Beschlüsse des UN-Sicherheitsrats", sagte IAEA-Chef Yukiya Amano. Ähnliche Töne kamen von Nato-Rat: "Dieser unverantwortliche Akt stellt gemeinsam mit dem Raketenstart vom Dezember eine ernste Bedrohung des internationalen Friedens, der Sicherheit und der Stabilität dar", heißt es in einer Erklärung. Auch die EU kritisierte den Test.

Außenminister Guido Westerwelle (FDP) hat weitere internationale Sanktionen gegen Nordkorea verlangt. Er sprach von einem "eklatanten Verstoß" gegen Resolutionen des UN-Sicherheitsrats. Die internationale Gemeinschaft müsse nun zu einer "klaren Haltung" finden.

Bildquelle: Reuters